Kolumne

«Tatort»-Kolumne: Wiener Schmäh zum Einschlafen

Die Wiener Kommissare haben es dieses Mal mit recht bösen Homöopathen zu tun.

Die Wiener Kommissare haben es dieses Mal mit recht bösen Homöopathen zu tun.

Bibi Fellner und Moritz Eisner finden sich in einem lebensgefährlichen Glaubenskrieg zwischen Homöopathie und Schulmedizin wieder. Nichtsdestotrotz kommt in der Wiener Folge «Krank» vor allem eines auf: Langeweile.

Eins vorneweg: Die Rezensentin mag die Wiener Kommissare, Adele Neuhauser als grundsympathische Majorin Bibi Fellner und Harald Krassnitzer als grummliger, aber grundgutmütiger Oberstleutnant Moritz Eisner. Und auch der Plot dieser Wiener «Tatort»-Folge hat Potenzial: «Krank» verhandelt den Glaubenskrieg zwischen Homöopathie und Schulmedizin. Zudem beginnt der Krimi dramatisch, mit einer vorweggenommenen Szene: Eisner befindet sich in Lebensgefahr. Nichtsdestotrotz brauchte es drei Anläufe, bis die Autorin dieser Zeilen es schaffte, diesen «Tatort» zu Ende zu schauen. Und auch beim dritten Mal wäre sie fast eingeschlafen dabei.

Dass sich in diesem Krieg zwischen Alternativ- und Schulmedizin vor allem Langeweile breit macht, mag daran liegen, dass kein einziger Charakter ausgeleuchtet wird. Vertreter der Schulmedizin wurden erst gar nicht ins Drehbuch geschrieben, und die diversen Homöopathen müssen samt und sonders kragenlose Hemden und Jacketts ohne Revers tragen – ein Anblick, so farblos und ohne Tiefe, wie der gesamte Film anmutet (Buch und Regie Rupert Henning).

Selbst eine so eindrückliche Darstellerin wie Sabine Timoteo scheint da nichts retten zu können. Wenn Timoteo als kolumbianische Marxistin, deren kleine Tochter eine homöopathische Fehlbehandlung das Leben kostete, im Rachefeldzug durch die Gärten hetzt, dann wirkt das wie einem Kinderfilm entnommen. Und auch der übliche Wiener Schmäh kann den fehlenden Drive nicht verdecken. Wiewohl so gute Sprüche dabei sind wie: «Umgangsformen sind keine Formen, die umgangen werden sollten.»

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