Neues Album

The Strokes überraschen mit neuer Leichtigkeit

The Strokes mit Sänger Julian Casablancas galten einst als die coolste Band der Welt.

The Strokes mit Sänger Julian Casablancas galten einst als die coolste Band der Welt.

Die einstigen Vorzeige-Garagenrocker hatten nichts mehr zu verlieren. Auf dem Album «The New Abnormal» spielen sie nun wie befreit auf.

The Strokes um Sänger Julian Casablancas galten einst als die coolste Band der Welt. Waren sexy Posterboys und New Yorks Vorzeige-Garage-Rocker, die mit ihrem Début «Is This It» im Jahr 2001 der Gitarrenmusik den erhobenen Mittelfinger gezeigt hatten, um sie von Abscheulichkeiten wie DJs und brachialem Geschrei zu befreien.

Doch die Strokes mochten nach ihrem famosen Début und dem Nachfolger «Room On Fire» (2003) weder grosse Erfolge feiern noch Meilensteine schaffen. Angesichts hoher Erwartungen und der üblichen Vorgabe schmissige Hits reproduzieren zu müssen, wurden der Band Ausflüge in neue Terrains zwischen futuristischem Pop und Prog-Rock kaum gegönnt. Auch bandintern soll es immer wieder Querelen über den Sound gegeben haben.

Mit dem Album «Comedown Machine» (2013) begab sich die Band noch nicht einmal auf Tour. Hätten sich die Strokes aufgelöst, kaum eine Träne wäre wohl vergossen worden. Zu süss waren die Erinnerungen an bierselige Abende in der Indie-Disko von damals. Und so dauerte es sieben lustige Jahre ohne Entbehrungen, bis wir nun mit «The New Abnormal» (oder auch «TNA») einen neuen Langspieler über die virtuelle Theke gereicht bekommen.

Rick Rubin als Retter in der Not

Die Strokes hatten nichts mehr zu verlieren mit «The New Abnormal». Kaum überraschend wirkt, dass sich die Band diesmal von keinem Geringeren als Rick Rubin die Knöpfchen und Regler hat bedienen lassen. Der Produzent wird oft dann gebucht, wenn der Karren schon im Dreck steckt, die müden Gelenke ideenlos knacken und man sich auf vergessene Stärken rückbesinnen möchte.

Sei es nun geglücktes Kalkül oder mit genügend Abstand gewonnene Gleichgültigkeit gegenüber irgendwelchen Erwartungen: The Strokes spielen sich ungemein befreit und mit Freude, ja sogar einem gewissen Augenzwinkern durch «The New Abnormal».

Der Opener «The Adults Are Talking» kokettiert mit dem Sound alter Tage. «We are trying hard to get your attention», singt Casablancas und schwingt sein Falsett über einem Maschinenbeat und sich duellierenden Gitarren in ungeahnte Höhen. «Selfless» ist ein sich zaghaft entfaltendes Wiegenlied von einfacher Schönheit in mittlerem Tempo.

Überhaupt ist diese schwierige Gangart auf «The New Abnormal» der bestimmende Modus. Für «Brooklyn Bridge To Chorus» wird dann tief in die 80er-Disco-Kiste gegriffen, samt Laser-Gitarren und Plastiksynthesizern. «Bad Decision» verkleidet sich als der klassischste Strokes-Track auf «TNA» und schlägt den begeisterten Nostalgikern gleichsam ein Schnippchen. Billy Idols «Dancing With Myself» wird hier so überdeutlich zitiert, dass er und Tony James auch in den Credits zum Song erscheinen.

Eines der Highlights und der wohl ungewöhnlichste Albumtrack ist «At The Door». Casablancas fleht über knarzenden Synthies, bis ein pulsierender Beat ihm eine Rampe in luftige Höhen baut. Im herrlich zwischen The Clash und David Bowie groovenden «Eternal Summer» und dem gelassenen «Why Are Sundays So Depressing» entdeckt der Sänger dann seinen inneren Prince. Spätestens hier wird klar: Die Strokes versuchen nun, weder Strokes-Songs zu schreiben noch mit sperrigen Experimenten Erwartungen zu enttäuschen. Es gelingt ihnen mit neuer Leichtigkeit.

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