Pfingstfestival Brunegg
Über steile Treppen des Schlosses Brunegg zum Hör-Genuss

Auf Schloss Brunegg, wo einst der bedeutende Schweizer Historiker Rudolf von Salis lebte, fand zum vierten Mal das Pfingstfestival statt, das Altes und Neues klug zueinander in Beziehung setzt.

Sibylle Ehrismann
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Hoch hinaus geht es am Pfingstfestival Schloss Brunegg musikalisch – und ganz real. (Archiv)

Hoch hinaus geht es am Pfingstfestival Schloss Brunegg musikalisch – und ganz real. (Archiv)

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Mitten auf der steil nach oben führenden Aussentreppe zum Konzertsaal treffe ich auf den Schlossherrn von Salis. Der Kinderpsychiater und Musikfreund begrüsst seine Gäste persönlich. Schloss Brunegg ist noch immer in Privatbesitz, und da noch etwas Zeit ist, führt er mich in den lauschigen, terrassierten Garten. Ja, sie kämen regelmässig her, lebten aber auch in einem Haus in Zollikon. Das Schloss sei nicht allzu gross, die Nasszellen– ganz modern – sind in die alte Substanz eingebaut, der Blick in die Weite ist fantastisch.

Doch mit der steilen Aussentreppe ist es noch nicht getan. Das Schloss selbst ist in die Höhe gebaut, eine schmale steile Holztreppe ist zu überwinden, der Rittersaal ist ganz oben, und siehe da, man kommt auf dem Weg dorthin sogar an Ritter-Rüstungen und einer kleinen Kanone vorbei. Hier hat der bedeutende Schweizer Historiker Jean Rudolf von Salis (1901–1996) gelebt, dessen kluge und engagierte Radiokommentare zur Kriegszeit der Schweizer Bevölkerung Orientierung und Halt gaben.

Auch geistige Fitness gefragt

Seit 2015 öffnen seine Nachkommen Thomas und Elisabeth von Salis jeweils über Pfingsten das Schloss für ein kleines, aber feines Musikfestival. Der Bratschist Jürg Dähler ist für das Programm verantwortlich, das Altes und Neues klug zueinander in Beziehung setzt. Dieses Jahr ist der welsche Komponist Richard Dubugnon «Composer in residence». Wer es dafür bis in den Rittersaal schaffen will, muss also körperlich und geistig einige Agilität mitbringen.

Am Pfingstsonntagnachmittag gab es eine Art Extraveranstaltung. Der Dramaturg Christian Sutter konzipierte ein literarisches Kammerkonzert, in dem er den Briefaustausch zwischen J. R. von Salis und dem reformierten Theologen und Publizisten Karl Barth durchforstete, zu den Themen «Gott, die Welt und Mozart». Mozart war also der Brennpunkt, über den der Theologe Barth sogar ein Büchlein herausgab und dessen «Divertimento in Es-Dur» für Violine, Viola und Violoncello von den drei Vollblutmusikern Roberto Gonzáles-Monjas, Jürg Dähler und Thomas Grossenbacher dargeboten wurde.

Mozarts letztes Wort

Sutter trägt einen langen, grauen Vollbart, seine Augen funkeln, wenn er rezitiert. Von Salis und Barth trafen sich erstmals 1956 auf Schloss Brunegg, um hier im Mozart-Jubiläumsjahr ein Komitee zu gründen, um das nötige Geld für die Herausgabe einer kritischen Mozart-Gesamtausgabe in Salzburg aufzutreiben. «Bereits drei Sitzungen, und noch nichts Handfestes erreicht», klagt Barth in einem Brief.

Barth hat jeden Morgen Mozart gehört, bevor er sich an seine «dogmatische» Arbeit machte, Mozarts Musik sei für ihn «das letzte Wort über das Leben», eine «Konstante meines Daseins.» Wenn er seine Musik höre, sei das, «wie wenn der Kosmos zum Singen käme». Mozarts Streichtrio-Divertimento eignete sich gut als mehrteiliges Intermezzo, die versierten Musiker trafen den Stimmungsgehalt jeweils genau. Man hörte in diesem eher kleinen, vollbesetzten Raum auf Schloss Brunegg die fantasievolle Verflechtung der Stimmen, die «singenden» Themen und rhythmisch pikanten Einfälle Mozarts umso eindringlicher und deutlicher. Das Publikum war begeistert.

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