Film

Verwackelter Film für grosses Kino

Play: Ein grossartiger Film für die Achtziger-Generation.

Play: Ein grossartiger Film für die Achtziger-Generation.

Der französische Film «Play» zeigt aneinandergereiht Aufnahmen für eine Generation, die auf die 40 zusteuert.

Zugegeben, es war eine Ankündigung, die mich direkt ansprach, als der Filmverleiher zur Vorführung des neuen Films «Play» einlud: «1993, Max ist 13 Jahre alt und erhält seine erste Videokamera geschenkt. Diese wird für die nächsten 25 Jahre zu seinem steten Begleiter: Vom ersten Date, dem ersten Joint über die ersten Ferien ohne Eltern zeichnet ‹Play› das Porträt einer ganzen Generation.»

Ich bin wie dieser Max (im Erwachsenenalter gespielt vom Kabarettisten Max Boublil) ein Kind der Achtzigerjahre. Erste Liebe, erste Grenzüberschreitungen, erste Weichenstellungen in die (berufliche) Zukunft – die 1990er- und 2000er-Jahre haben uns in vielerlei Hinsicht geprägt.

Max legt am Weihnachtsabend 1993 gleich los mit Filmen – und legt die Kamera nicht mehr weg. Auf alles hält er drauf: die ­unerwiderten Annäherungsversuche seiner Jugendfreundin Emma, die Prahlereien vor den unerreichbaren Nachtclubs bis hin zum Drogenexzess seines Freundes: Das ist zuweilen verstörend, meist aber sehr charmant und oft wahnsinnig lustig.

Selbst dann, wenn die Clique vor laufender Kamera dem aus seinem komatösen Zustand erwachenden Freund einen Penis auf die Stirn malt und diesen danach dabei filmt, wie er in der Fastfood-Bude einen Burger bestellt.

Für uns Achtziger ist es wie eine Zeitreise, vieles ist so ­vertraut: Von der verpixelten Schriftart in den VHS-Aufnahmen über die Dunkelbrauntöne der Furniermöbeleinrichtung in der Wohnung der Eltern bis hin zur schrillen Aufgeregtheit vor einem Besuch eines Konzerts. «Play» umschreibt ein Lebensgefühl und lässt uns in Nostalgie schwelgen. Wir, die wir im neuen Jahrzehnt 40 werden und auf die 50 zusteuern.

Was wir uns nie zu sagen trauten

«Play» wirkt lange wie ein Dokumentarfilm, ist er aber nicht. Die beiden Macher Boublil und Anthony Marciano (Regie) liessen sich zwar von ihren Erfahrungen in den 1990ern und 00ern inspirieren, doch der Film ist gespielt.

Das wird besonders klar, weil sich die berührende Aneinanderreihung der vermeintlichen Dokumente zum Schluss hin zur Liebeskomödie wandelt. Max ist dabei derjenige, der Dinge vor laufender Kamera sagt und macht, die wir uns nie zu sagen trauten.

Etwa, als der gute Freund Arnaud mit einer um Jahre älteren Freundin auftaucht. Die Frau ist erst um die 40, was die Freunde um Max nicht davon abhält, über ihren bevorstehenden Alterstod Witze zu reissen. Aber auf solch amüsante und offene Art, dass es nicht verletzend wirkt.

Und wenn sich Arnaud und Max auf der Geburtstagsfeier der Tochter mit Wodka die ­Kante geben und mit blossen Händen in der Geburtstagstorte wühlen, halten wir Achtziger unsere Bäuche vor Lachen.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1