Petrus muss ein Fan von Zofingen sein. Nach viel Regen in der Nacht und am Vormittag drückt langsam die Sonne, als pünktlich auf die Minute am Samstag die Pedestrians den Nachmittag des zweiten Heitere-Tags eröffnen. Eine sehr gute Wahl der Festivalorganisatoren. Nicht nur bieten die Pedestrians tolle Wohlfühlmusik. Die Band aus Baden, die im September ihre erste CD rausbringt, gilt als Schweizer Reggae-Hoffnung. Sie haben allerdings heute bewiesen, dass sie nicht 08-15-Reggae machen, sondern eine spannende Mischung aus Reggae, Rock und Pop auf die Bühne bringen. Sie kümmern sich nicht um Klischees. Bis auf den mit dem Reggae assoziierten Düften wurde jedenfalls in Zofingen keins erfüllt: Keine Rastas oder Jamaica-Fahnen auf der Bühne oder im Publikum, sondern viele Musik- und Tanzbegeisterte – ebenfalls auf und vor der Bühne.

Noch während die Pedestrians ihre letzten Songs spielen, rufen bereits Fans vor der Lindenbühne nach Nemo. Der Bieler, musikalisch gereift, verrät, dass er sich nicht so nennt, weil er etwa eine Freundin hätte, die Dorie heisst. «Meine Eltern haben den Namen ausgewählt, er steht im Pass», erzählt er lachend. Obwohl es erst Nachmittag ist, ist der Platz vor der Hauptbühne gut gefüllt. Bereits im ersten Song gelingt es dem Energiebündel, das Publikum zum Tanzen und Klatschen zu bringen. Nemo mutet seinem Publikum allerhand Musikstile zu, von Pop, Rap bis hin zu Jazz. Und die Menge jubelt, tanzt und singt bis zum Schluss.

Zwischendurch scheint die Sonne so richtig. Das hilft nicht: Das diesjährige Heitere geht wohl nicht als das modischste aller Zeiten in die Geschichtsbücher ein. Weder die blauen Hüte einer Bank, die massenweise getragen werden, sind besonders kleidsam, noch sehen Kombinationen von Hotpants, Glitzerkleidchen oder Shorts mit Gummistiefel besonders anziehend aus. Dafür wird das Heitere seinem Ruf als gemütliches Familienfestival völlig gerecht.

Dem pflichtet auch Fabien Joller (27) aus Vitznau bei: «Mir gefällt am Heitere, dass es unkompliziert ist, ein durchmischtes Publikum hat, nah beim Dorf ist und immer ein gutes Line Up hat», schwärmt sie. Sie muss es wissen. Bereits seit vier Jahren kommt sie mit zehn Freundinnen jeweils ans Open Air. Geschlafen wird auf dem Zeltplatz. «Wir blieben trocken, obwohl es sehr stark geregnet hat. Ich arbeite in der Sportbranche, wir haben gute Zelte», meint sie lachend. Besonders freut sie sich dieses Jahr auf Patent Ochsner und die Fantastischen Vier.

Bevor aber Patent Ochsner die Bühnen betritt, gibt sich mit Gavin James der erste internationale Act auf der Parkbühne die Ehre. Der Ire freut sich zwar über die Sonne, die ihm voll ins Gesicht scheint. Doch es sei auch sehr warm. Und Sonnencreme muss er sich auch noch anstreichen. Der Singer-Songwriter tönt rockiger als erwartet und spricht wahnsinnig schnell seine Ansagen – er sei so aufgeregt, sagt er. Natürlich fehlte sein Hit «Always», mit dem er letztes Jahr 29 Wochen in der Schweizer Hitparade war und bis auf Platz 15 kletterte.

Fast identisch erfolgreich – Platz 14 und 30 Wochen in der Hitparade, war 2015 Namika mit «Lieblingsmensch». Die Deutsche war sogar noch höher platziert mit «Je ne parle pas français». Diese zwei Songs werden denn auch lauthals vom Publikum mitgesungen. Aber auch wenn die Deutsche mit marokkanischen Wurzeln eine Stimme wie Honig hat, gekonnt Rap mit Pop und deutsche Texte mit einem Schuss Orient vermischt: Gemessen an der Begeisterung des Publikums hätte Nemo verdient, vor Patent Ochsner zu spielen.

Während die Lindenbühne für die Berner bereit gemacht wird, heizt Welshly Arms noch ein. Die Bluesrocker aus Cleveland bringen jede Menge «Dräck» mit – Chris von Rohr hätte seine Freude gehabt. Die Festivalbesucher waren erst etwas zurückhaltend. Sogar Sänger Sam Getz wunderte sich über das ruhige Publikum. Aber bei den bekannteren Songs wie «Sanctuary» und dann natürlich «Legendary» wurden sie endgültig laut. Sowohl Namika wie Welshly Arms machen auf ihre Konzerte im Herbst aufmerksam.

Der Samstag geht zu Ende mit dem Auftritt von Patent Ochsner, die im Mai ihre letzte CD «Cut up» präsentierten. Zuhinterst wird auf den Bänken und Tischen getanzt, auf der Bühne hatten Büne Huber und Co. den Plausch. Darauf folgen Lukas Graham, Bastille und The Electric Swing Circus. Und alle sind noch trocken.