Musik

Warum US-Sängerin Halsey der Popstar der Zukunft ist

Halsey sieht sich künstlerisch durchaus in der Tradition von Lady Gaga.

Halsey sieht sich künstlerisch durchaus in der Tradition von Lady Gaga.

Die amerikanische Sängerin Halsey liess sich mit 16 durch New York treiben und macht bis heute, was sie will. Manchmal ist das Pop.

Zur Welt kommt sie vor 25 Jahren als Ashley Nicolette Frangipane in Edison, einer gesichtslosen Stadt in New Jersey, nicht allzu weit entfernt von New York. Ihre Eltern – die Mutter italienischer, ungarischer und irischer Abstammung, der Vater Afroamerikaner mit irischem Einschlag – sind jung, und sie sind nicht reich. Die Familie schlägt sich so durch und lebt nicht sehr sesshaft.

Mit 13 ist Halsey bereits auf sechs verschiedenen Schulen gewesen. Halsey wird früh sehr selbstständig. «Ich habe mich mehr oder weniger selbst erzogen. Meine Eltern wollten das Beste, aber nie lief bei uns irgendetwas nach Plan. Es gab kaum Struktur und Regeln. Manchmal wäre es schön gewesen, Eltern zu haben, die mir Ratschläge und Hilfe hätten geben können.» Mit 16 zieht sie aus und lässt sich weitgehend wohnungslos durch New York treiben, schläft mit Männern, auf die sie nicht steht, um ein Dach über dem Kopf zu haben, macht noch kurz die High School fertig und beginnt, ernsthaft an ihrer Musik zu arbeiten.

2015 kommt ihr Débutalbum «Badlands» raus, es wird ein Riesenerfolg, und «Closer», ihre Kollaboration mit dem Dance-Duo The Chainsmokers, erreicht 2016 die Chartspitze in über zwanzig Ländern. «Das Zwischenfazit lautet: «Popstar sein ist cool. Ich muss nicht abwaschen und lerne irre viele Leute kennen.» 2018 folgt ihre erste Solo-US-Nummer-1-Single mit «Without Me», der Aufarbeitung einer Beziehung mit dem Rapper G-Eazy.

Ihr Duett mit den Korea-Poppern von BTS («Boy With Luv») brach den Rekord für das binnen 24 Stunden am häufigsten angeschaute Youtube-Video. Halsey ist auch Aktivistin und hielt beim «Women’s March» 2018 eine tolle Rede vor 200000 Menschen. Sie kämpft für LGBTQ-Rechte, schärfere Waffengesetze und kommt inzwischen auf zwölf Milliarden Streams und mehr als acht Millionen verkaufte Alben.

Das ist alles erst der Anfang. Mit ihrem dritten Album «Manic» wird die seit einigen Jahren in Los Angeles lebende Halsey sicher noch einen weiteren Sprung nach oben machen. War das Vorgängeralbum noch einer «dystopische Film-Phantasie» nachempfunden, wie die Kinoliebhaberin Halsey sagt, so ist «Manic» deutlich freundlicher, positiver.

Die Sängerin, die an einer bipolaren Störung leidet, weiss: «Es kommen auch wieder schlechte Tage, aber während der gesamten Entstehung der Platte war ich in einer euphorischen Phase.» Dass sich die Songs stilistisch nicht über einen Kamm scheren lassen? Ist absolut gewollt. Warum sollte jemand, die oft nicht weiss, wer sie ist, sich künstlerisch auf eine Richtung beschränken?

Ein Stilmix aus Rock, Hip-Hop und Pop

Auf der Platte ist alles drauf: Hip-Hop, Rock, Pop und sogar Country. Die neue Single «You Should Be Sad» beispielsweise könnte auch von Shania Twain stammen. «Ich mache, was ich will und was ich fühle», sagt Halsey. «Ich ordne das nicht ein. Warum sollte ich auch?» Diese Einordnungen in Genres seien sowieso überholt. Während «Graveyard» ein bisschen dunkler im Stil einer Lana del Rey klingt, erinnert das entspannt-liebliche «Clementine» an Lorde und das krasse «Nightmare» («I’m no sweet dream, but I’m a hell of a night», singt sie im Refrain) lässt Erinnerungen an Alanis Morissette («I ­fucking love Alanis», ruft Halsey) und an die kernigeren Nummern von Pink aufkommen.

Auch Lady Gaga ist ein wichtiger Einfluss. «Sie hat nie zugelassen, dass der Mainstreampop ihre Kunst ruiniert», so Halsey. «Und sie entwickelt sich permanent weiter.» Halsey sieht sich künstlerisch durchaus in der Tradition Gagas. «Du kannst heute extremen Pop machen, morgen Country und übermorgen schräge Alternative-Songs und trotzdem immer cool, immer du selbst bleiben. Ich liebe Popmusik, aber im Herzen bin ich ein Punk. Das passt für mich super zusammen.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1