Kultur

Wie die Welt in die Kunst findet

Roland Guignard: Skizze von 1968.

Roland Guignard: Skizze von 1968.

Drei Ausstellungen in Aarau zeigen, wie Roland Guignard, Sara Rohner und Mathola Wittmer zu ihren Motiven kommen.

Gegenständlich oder abstrakt? Dieses im 20. Jahrhundert als Glaubenskrieg ausgetragene Entweder-Oder schien für Roland Guignard (1917-2004) nicht zu gelten. In seinen Skizzenbüchern notierte er auf Reisen Ansichten von Städten und Landschaften, er fand in ihnen das ihm wichtige Spiel von Flächen und Überlagerungen, von perspektivischer Tiefe und Verschiebung. Abstrahierend nehmen bereits seine frühen Gemälde diese Bildfindungen, dieses Sowohl-Als-Auch auf. Die Ausstellung in der Galerie 6 zeigt mit Werken aus allen Schaffensperioden Guignards eigenen Weg zur reinen, geometrischen Abstraktion. Ein Weg, der ihn gar zum dreidimensionalen Objekt führte. Verkleinerte Auszüge aus seinen Skizzenbüchern sind als kleine Publikation zur Ausstellung erschienen.

Sara Rohner: Schwebender Garten, 2016-2018.

Sara Rohner: Schwebender Garten, 2016-2018.

Die Welt im Garten

Wie zwischen Blüten wandelt man im kleinen Schaufensterraum der Aarauer Arnold Galerie. Sara Rohner, 55, hat kleine Blätter mit Pflanzen- und Beeren-Motiven an Fäden gehängt. Luftig, verletzlich wirkt das. Wer der Gebrauchsanweisung der Künstlerin folgt, die Blätter gegen das Licht anschaut und sie mit einem Blatt verdunkelt, dem erscheinen geheimnisvolle, linear umrissene Frauenfiguren. Sie tragen schwere Erntebündel oder Wasserbehälter auf ihrem Kopf. Den Garten findet Rohner vor ihrer Haustüre, die Frauenfiguren aus der weiten Welt als Zeitungsfotos. Raffiniert ist, wie die Künstlerin nah und fern verquickt – ebenso wie sie die Blätter installiert. Beschwingt kombiniert sie im oberen Stockwerk tanzende Aststücke und übermalte Fotos von Tänzerinnen.

Blick in die Ausstellung von Mahtola Wittmer.

Blick in die Ausstellung von Mahtola Wittmer.

Der Alltag als optische Fundgrube

Im Aargauer Kunsthaus bekommen regelmässig junge Kunstschaffende die Chance zu einer ersten, kleinen Museumsausstellung. Gast im Caravan ist die Luzernerin Mahtola Wittmer, 26. Fotografierend sammelt sie alltäglich Beiläufiges und Auffälliges. Ihren Fundus durchforstet sie nach Kombinierbarem, bildet Paare und Gruppen – von Formen oder Farben oder Themen geleitet. Frei platziert sie die Bilder im Raum, so wie wir es seit den 1990er-Jahren von Zeichnerinnen und Fotografen kennen.

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