Orgelsommer
Konzert in der Hofkirche ist ein Kaleidoskop mit dem musikalischen Chamäleon

Wolfgang Sieber eröffnete den Orgelsommer 2021 in der Luzerner Hofkirche mit einem sehr persönlichen Werk.

Gerda Neunhoeffer
Drucken
Teilen
Hoforganist Wolfgang Sieber (hier in einer Aufnahme von vergangener Woche) überzeugte am Dienstagabend mit grossem Ideenreichtum.

Hoforganist Wolfgang Sieber (hier in einer Aufnahme von vergangener Woche) überzeugte am Dienstagabend mit grossem Ideenreichtum.

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 6. Juli 2021)

Mit dem fulminanten Beginn, Johann Sebastian Bachs bekannter Toccata d-Moll, zeigte Wolfgang Sieber gleich einmal, was die Luzerner Hoforgel an Klängen, Volumen, Strahlkraft und Differenziertheit zu bieten hat. Zumal wenn da ein Organist spielt, der das Instrument wohl besser kennt als irgendjemand sonst.

Seit 1992 ist Sieber Hoforganist und hat in unzähligen Konzerten, Einspielungen und natürlich Gottesdienstgestaltungen die Möglichkeiten der Orgel bis in kleinste Details hörbar gemacht. Wie er am Dienstagabend im ersten Konzert dieses Orgelsommers von der vollgriffigen Toccata direkt in Bachs berühmte Air aus der Ouverture D-Dur wechselte, war eindrucksvoll. Sanft und ruhig liess er da die Töne gleiten, um dann in der Sinfonia aus der Ratswechsel-Kantate ein ganzes Orchester aus der Orgel erklingen zu lassen. Soweit die Kompositionen von Bach. Dann dankte Joe Bienz, Mitglied der Orgelfreunde und massgeblich für die Zukunft der Grossen Hoforgel engagiert, Wolfgang Sieber mit warmen Worten für sein Wirken.

Dank Bildübertragung ganz nah am Organisten

In César Francks Orgel-Choral a-Moll verband Sieber die französischen Register der Orgel zu ganz anderen Klangfarben. Weich, rund, in Steigerungen aufrauschend, in ruhigen Teilen sanft schwingend. Das Besondere an den Konzerten im Orgelsommer ist auch, dass man durch Bildübertragung dem Organisten direkt auf die Hände – und manchmal auch Füsse – sehen kann. Und auch, dass Sieber in seiner Frau Sylvia Käslin die ideale Hilfe für Registrierung und Notenblättern hat. Vor diesem romantisch-impressionistischen Werk spielte Sieber aber ein kleines, persönliches Potpourri aus bekannten Melodien. Da hörte man schon mal Anklänge an «Yellow Submarine» von den Beatles oder «Bohemian Rhapsody» von Queen, dazwischen Volksmusik feinster Art.

Dass es zutreffend ist, was Sieber gegenüber unserer Zeitung vor einigen Tagen mit «Ich bin musikalisch ein Chamäleon» meinte, bewies er auf vielfältige Art. Ein musikalisches Chamäleon, das die Klangfarben übergangslos wechselt, das Genres bunt vermischt und das auf der Orgel keine Grenzen kennt.

Von Tango über Blues und Walzer

Besonders deutlich wurde das in der Uraufführung von Siebers «Libero», Szenen eines Organisten nach «Muss I denn, muss I denn zum Städtele hinaus». Ein musikalischer Abschied, der gleichzeitig einen Lebensweg nachzeichnet. Was man da alles zu hören bekam, war höchst vielschichtig. Sieber verwandelte das Lied in unzählige Variationen, die von Tango über Blues und Walzer, über klassische Formen und neuartige Klangverbindungen in ein Kaleidoskop wirbelnder Farbkreise führten.

Welch ein Ideenreichtum, welch eine scheinbare Unbekümmertheit im Umgang mit den Registern – aber klar gefasst und wohl überlegt. Da glitzerte mal der weihnachtliche Zimbelstern auf, da donnerten Akkorde, dann wieder flirrten leise, dennoch scheinbar aus allen Winkeln kommende Töne. Die Liedteile erklangen vorwiegend in Moll, mal kurz aufschimmernd, sich wieder versteckend, wie Irrlichter im weiten Raum. Eine ganz persönliche Komposition, die von den vielen Zuhörern mit brausendem Applaus gewürdigt wurde.

Weitere Konzerte jeweils dienstags um 20.00, Infos unter www.hoforgel-luzern.ch

Aktuelle Nachrichten