Neue EP

Zeal & Ardor: «Bleibt wachsam, bleibt laut»

Wütend: Manuel Gagneux von Zeal & Ardor.

Wütend: Manuel Gagneux von Zeal & Ardor.

Eindrückliches musikalisches Statement gegen Rassismus und Polizeigewalt.

«I Can’t Breathe», «Trust No One », «Wake Of A Nation». Die Botschaft, die Zeal & Ardor allein mit den Songtiteln auf der neuen EP vermittelt, ist unmissverständlich. Es geht um Polizeigewalt und Rassismus sowie die Wut und die Proteste, die die Tötung des Afroamerikaners George Floyd im Mai dieses Jahres in Minneapolis ausgelöst haben.

«Diese sechs Lieder sind eine Kurzschlusshandlung auf das, was in den letzten Monaten mit meinen Mitmenschen passiert ist», lässt der Kopf von Zeal & Ardor via soziale Medien mitteilen, der in Basel wohnhafte Manuel Gagneux.

Eigentlich wollte der amerikanisch-schweizerische Doppelbürger ein Album aufnehmen, das erst im nächsten Jahr erscheinen sollte. Doch der Mulatte konnte mit seinen musikalischen Statements nicht mehr zuwarten. Er fühlte sich direkt betroffen: «Es wäre feige gewesen, einfach weiterzumachen, als wäre nichts passiert.»

Der Titelsong «Wake Of A Nation» beginnt mit jener einzigartigen Mischung von Worksong und Metal, mit der Zeal & Ardor 2016 weltweit für Aufsehen und Furore sorgte. Ein Aufruf zum Widerstand in den «Tagen des Zorns» («dies iraes»).

Schon auf dem Album-Vorgänger «Stranger Fruits» hat sich der «Black Lives Matter»-Sympathisant in seinen Songs mit der Rassismusproblematik beschäftigt. Verbunden mit einem Appell an die amerikanische Mittelklasse und schwarze Gemeinschaft, gegen Trump-Amerika zu mobilisieren. Insofern sind die neuen Songs die Fortsetzung.

Vor dem Hintergrund der jüngsten Geschehnisse gewinnen sie aber an Dringlichkeit. «Wir alle sind dazu verdammt, zu sagen: Ich kann nicht atmen» («I can’t breathe»), heisst es in «Vigil», um mit dem Satz zu schliessen: «Wir werden das nicht mehr ruhig hinnehmen.»

Dabei öffnet sich Zeal & Ardor auch musikalisch. «Vigil» ist eine hochaktuelle Gospelhymne. Der Rückgriff auf die afroamerikanische Musiktradition macht das Statement umso glaubwürdiger und relevanter.

«Auf eine andere Art werden wir uns rächen»

Gagneux mag sonst Zweideutigkeiten. Die neuen Songs lassen aber keinen Spielraum für Interpretationen zu und sprechen für sich. Aus diesem Grund will er auch keine Stellung beziehen und gibt zur Veröffentlichung weltweit keine Interviews. Es gibt aber auch keine Promotion. Still und leise sind fünf der sechs Songs auf den Streaming-Portalen aufgeschaltet worden. Umso lauter und zorniger klingen sie.

Zorn ist auch die Botschaft in «Tuskegee», einem klassischen Metalsong mit Schreigesang, Gitarrenwand und Doppelbass-Salven. Im Song bezieht sich Zeal & Ardor auf die Geschehnisse von Tuskegee, einer Gemeinde in Alabama, wo das US-Gesundheitsministerium von 1932 bis 1972 knapp 400 Afroamerikaner in einer menschenverachtenden Studie als Versuchskaninchen benutzte, um den normalen Verlauf von Syphilis zu erforschen. «Run, father, they’re killing you to help themselves», singt Gegneux «auf eine andere Art werden wir uns rächen».

Zeal & Ardor widmet die Platte George Floyd, den «unzähligen, namenlosen Getöteten und jenen, die bereit sind, Stellung zu beziehen, und bereit sind, ihr Leben zu riskieren, und schliesst mit dem Appell: «Bleibt wachsam, bleibt laut.»

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Autor

Stefan Künzli

Stefan Künzli

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