Kultur

Zwei Stars für Schweizer Berlinale-Beitrag «Schwesterlein»

Unverbrüchliche Schicksalsgemeinschaft: Nina Hoss (Lisa) und Lars Eidinger (Sven) sind in «Schwesterlein» Zwillinge.

Unverbrüchliche Schicksalsgemeinschaft: Nina Hoss (Lisa) und Lars Eidinger (Sven) sind in «Schwesterlein» Zwillinge.

Berlinfilm, Schweiz-Koller, Feminismus: «Schwesterlein» mit Nina Hoss und Lars Eidinger erzählt von kompromissloser Geschwisterliebe.

Drei Filme im diesjährigen Wettbewerb der Berlinale haben Berlin als Bühne. Unter ihnen das Drama der Westschweizerinnen Stéphanie Chuat und Véronique Reymond. Ihr Film «Schwesterlein» spielt zu einem grossen Teil in Berlin, alle Hauptdarsteller haben einen engen Berlin-Bezug und überhaupt, ohne Berlin wäre der Film gar nicht zustande gekommen, haben die beiden doch bei einem Berlin-Aufenthalt Hauptdarstellerin Nina Hoss in einem Laden zufällig getroffen und ihr ihre Idee schmackhaft gemacht.

«Schwesterlein» spielt sich zu grossen Teilen in der Berliner Theaterszene ab. Neben der Hauptdarstellerin Nina Hoss hat auch ihr «Brüderlein», Lars Eidinger, ein bekanntes Berliner Theatergesicht. Im Film spielt dieser sich selbst, den Theaterschauspieler Sven, der an der Schaubühne Berlin Hamlet verkörpert. Inszeniert wird dieses im Film von Theaterregisseur David, wiederum gespielt vom echten Hamlet-Intendanten in Berlin, Thomas Ostermeier.

Die Bühne ist auch mit Leukämie sein Leben

Zu Chuat und Reymond soll Ostermeier einst gesagt haben, er würde eine Rolle niemals mit einem todkranken Schauspieler besetzen. Und exakt hier ist der Dreh- und Angelpunkt dieser traurigen Geschichte über eine Geschwisterliebe. Lisa (Nina Hoss) ist die Zwillingsschwester ihres an Leukämie erkrankten Bruders Sven (Lars Eidinger), dem ruhmreichen Berliner «Hamlet». Vordergründig geht es darum: Theaterregisseur David will Sven nach wochenlangem Aufenthalt im Spital und trotz guten Therapieerfolgen nicht zurück auf der Bühne. Und er streicht die Wiederaufnahme von «Hamlet» aus dem Programm. Doch Sven schöpfte Energie aus der Perspektive, bald auf die Bühne zurückzukehren. Jetzt, wo das Stück abgesetzt wird, bricht für ihn eine Welt zusammen. Und die Krankheit erneut aus.

Im Überlebenskampf steht ihm seine Zwillingsschwester Lisa bei. Sie, die sich vom Theater abgewandt hatte, findet zum kreativen Prozess zurück und schreibt extra ein Stück für ihren Bruder. Und versucht damit, Regisseur David umzustimmen, Sven doch noch eine Bühne für eine Rolle zu schenken. «Ein Schauspieler, der begehrt wird, das ist ein lebendiger Schauspieler», sagt sie zu ihm. «Aber wenn du ihm dieses Begehren nicht schenkst, wenn du es ihm nimmst, dann tötet das ihn schneller als jede Krankheit es könnte.» So viel zum Hauptstrang der Geschichte. Daneben gibt es interessante Schauplätze. Lisa nimmt ihren Bruder mit in die Schweiz, in den Waadtländer Ferienort Leysin, wohin sie ihrem Ehemann gefolgt war.

Die Frau opfert sich gleich für zwei Männer auf

Für die Theaterleute in Berlin beging sie damit Verrat. Sowieso ist die Alpenidylle den Grossstädtern ein Graus. Das zeigt sich nirgends schöner wie in der Szene, als Theaterregisseur David Lisa hochnimmt und fragt: «Fehlt dir die Schweiz? Die Berge, die frische Luft, die Tannen, Heidi?» Besser hat kaum jemals einer das Schweizer Heimweh aufs Korn genommen.

Und doch ist Lisa wie ein Fremdkörper in den Bergen. Mit der Krankheit ihres Bruders findet sie in die Theaterwelt Berlins zurück. Und damit sagt sie sich los von ihrer Rolle, die sie in der Schweiz an der Seite ihres Mannes eingenommen hatte. Und es kommt zum familiären Zwist. Hier wird der Film sehr politisch: Die Frau ist dem Mann gefolgt, hat die Grossstadt und damit ihre Tätigkeit als Drehbuchautorin wider Willen hinter sich gelassen und stellt sich für die Karriere ihres Mannes in den Hintergrund. Er darf sich verwirklichen – und bricht sein Versprechen, dies sei nur auf Zeit.

Ganz anders sieht das die Schweizer Produktionsfirma. Für sie ist Lisa eine Frau, die sich für ihren Zwillingsbruder aufopfert und dabei die eigene Familie vernachlässigt, ja, sogar riskiert, ihren Mann zu verlieren. Was nun? Etwas mehr Klarheit bei den Nebenschauplätzen hätten dem Film gut getan.

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