Zwischenruf
In ihrem neusten Buch zeigt sich die «böseste Frau der Schweiz» erstaunlich harmlos

Hazel Brugger macht auf der Bühne und im Fernsehen böse Comedy. Nun hat sie ein seltsam harmloses Wimmelbuch veröffentlicht.

Michael Graber
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Hazel Brugger ist wohl der grösste Comedy-Star der Schweiz.

Hazel Brugger ist wohl der grösste Comedy-Star der Schweiz.

Bild: Urs Bucher

Musste das sein, liebe Frau Brugger? Ein Wimmelbuch? Tatsächlich? Ein Suchbuch für Kinder, mit Witzchen über Hündchen, die an Kackapupu schnuppern, und Schweinchen, die Traktor fahren? Die buchgewordene Verniedlichung. Gedruckt, um eine halbe Zugfahrt mit dem Nachwuchs «Ich sehe was, was du nicht siehst» zu spielen. Und als Vater von Kindern im «Ich sehe was, was du nicht siehst»-fähigen Alter versichere ich Ihnen: Niemand mag dieses Spiel.

Natürlich, Frau Brugger, Sie sind eben erstmals Mutter geworden. Von «Ich sehe was, was du nicht siehst» noch ein bisschen entfernt. Derzeit eher in der «Ja, wo ist das Baby? Daaa ist das Baby»-Phase. Da kann man das noch nicht wissen. Trotzdem sei die Frage erlaubt: Ist das Wimmelbuch nicht etwas gar bieder für den Namen Hazel Brugger? Und jener von Thomas Spitzer, Ihrem Partner, mit dem Sie Baby, Bett und manchmal auch die Bühne teilen?

Vielleicht ist das Buch ja auch nur deshalb enttäuschend, weil es so normal geworden ist. Eti­kettenschwindel kann Ihnen beiden und dem Illustrator Jannes Weber jedenfalls keiner und keine vorwerfen: Es ist ein Wimmelbuch. Nicht mehr und tatsächlich nicht weniger – wobei: Was weniger als ein Wimmelbuch ist, wissen wir jetzt auch gerade nicht.

Hazel Brugger, Thomas Spitzer, Jannes Weber: Deutschland was geht – das Wimmelbuch. Diogenes. 16 Seiten

Hazel Brugger, Thomas Spitzer, Jannes Weber:
Deutschland was geht – das Wimmelbuch.
Diogenes. 16 Seiten

Bild: zvg

Auch auf der Bühne erzählen Sie manchmal über die Normalität. Sie ­lassen sie ausufern, Sie wechseln die Blickwinkel oder kommentieren sie ganz einfach böse. Nur zu gern hätten wir eingewürzte Bösartigkeiten auch in diesem Buch gefunden. Vielleicht ein messerwetzender Metzger zwischen den Tieren auf dem Bauernhof, ein Berg Plastikmüll am Meeresstrand oder wenigstens ein Drogendealer am Rockkonzert.

Nichts. Stattdessen Riesenspieleleier, Yoga mit Baby und surfende Omas. Kann man machen. Machen andere aber auch. Ali Mitgutsch zum Beispiel, der Vater der Wimmelbilderbücher, seit 60 Jahren. Ob die Leserinnen und Leser mit diesem Suchbuch ihr Glück finden, wird sich weisen. Wir zumindest sind noch am Suchen.

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