Januar-Abstinenz

Alkoholfasten nach den feuchtfröhlichen Festtagen: Was bringt der «Ramadan» wirklich?

Alkoholfasten im Januar: «Das löst das Problem der restlichen elf Monate nicht»

Alkoholfasten im Januar: «Das löst das Problem der restlichen elf Monate nicht»

Die temporäre Alkoholabstinenz ist bei vielen – vor allem im Januar – sehr beliebt. Sie wollen den intensiveren Blick ins Glas während der Festtage mit einem alkoholfreien Monat wieder gut machen. Aber was nützt dieser «Ramadan»-Monat wirklich? Kann sich der Körper überhaupt so schnell erholen?

Es ist wohl einer der häufigsten Neujahrsvorsätze: der Verzicht von Alkohol im Januar, im Volksmund auch «Ramadan» genannt. Viele Menschen sind überzeugt, nach den oft ausschweifenden Festtagen mit dem temporären Verzicht auf Alkohol ihrem Körper etwas Gutes zu tun. 

Das Gesundheitsmagazin «CheckUp» von Tele M1 hat mehrere Passanten zum Thema befragt. Alle sind sich einig: die Abstinenz im Januar tut unserer Leber, der allgemeinen Gesundheit und auch der Psyche gut.     

Auch Heike Schwemmer, Chefärztin an der Forel Klinik, ist überzeugt, dass ein solcher «Ramadan» im Januar zum Wohlbefinden beiträgt. «Manche merken dann vielleicht auch», so die Medizinerin, «dass der Alkoholkonsum zu stark geworden ist.» 

Zwei Typen von Alkoholabhängigkeit

Gefährlich am Alkoholkonsum ist, dass wir uns an ihn gewöhnen. Um die gleichen Effekte zu erzielen, verlangt unser Körper nach immer mehr. Bei der Abhängigkeit unterscheiden Experten zwei Typen. Den Pegeltrinker, der täglich konstant gleiche Mengen Alkohol trinkt und den Absturztrinker, der tagelang abstinent bleibt, am Wochenende aber so tief ins Glas schaut, dass ein Filmriss die Folge ist. Wer sich in diesen Mustern wiedererkennt, sollte sich um eine professionelle Suchtberatung bemühen. 

Auch an der Forel Klinik gehören Alkoholpausen zum Therapiekonzept, wie Chefärztin Schwemmer weiter ausführt. Ein Selbsttest mit Fragebogen auf der Webseite der Forel Klinik gibt Aufschluss über das Risiko des eigenen Alkoholkonsums. 

«Ramadan» kompensiert kein Überkonsum

Doch reicht es, einen Monat aufs Trinken zu verzichten, um den Körper nach den feuchtfröhlichen Festtagen zu entgiften? Viele Passanten stehen dem skeptisch gegenüber, wie die Strassenumfrage des Gesundheitsmagazins zeigt. Sie finden es sinnvoller, auch während den anderen Monaten massvoll mit Alkohol umzugehen. 

Auch Beat Müllhaupt vom Universitätsspital Zürich ist überzeugt, dass ein einmonatiger Verzicht auf Alkohol im Jahr zu wenig ist, um die Leber dauerhaft vor Schäden zu schützen. «Man kann nicht einen Monat lang abstinent sein und dann glauben, elf Monate lang den Überkonsum zu kompensieren.» Zwar sei die Leber fähig, sich selbst zu erholen, ein «Ramadan» im Januar mache aber ein Jahr voller Trinkgelage nicht einfach wieder gut. (luk)

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