Zu Hause bei
Beim Dolder-Starkoch sind Frischprodukte auch zuhause Pflicht

Als Chef-Koch des Restaurants Fine Dining im Luxushotel Dolder Grand hoch über Zürich gehört Heiko Nieder (41) zur Elite der Starköche. Für diesen Karriere-Schritt zog Nieder von Hamburg nach Fällanden, wo er seit fünf Jahren mit seiner Familie lebt

Gina Kern
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Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Heiko Nieder mit seiner Tochter Lisa-Marie (2). basil stücheli

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Heiko Nieder mit seiner Tochter Lisa-Marie (2). basil stücheli

Ich fühle mich überall da zu Hause, wo meine Frau und meine Tochter sind», schmunzelt der attraktive Starkoch in astreinem Hochdeutsch. Seine Frau Daniela Nieder (32) erwartet in rund einem Monat das zweite Töchterchen nach Lisa-Marie (2). Mit Sack und Pack oder besser gesagt mit einem Koffer und einer Matratze zog Heiko Nieder vor fünf Jahren in diese 3,5-Zimmer-Mietwohnung in einer grossen Wohnüberbauung im Zürcher Oberland.

Japanische Spezialitäten am eigenen Herd

«Ich kaufte mir in der Ikea einen Kleiderständer, damit ich die Kleider aufhängen konnte», sagt er und schneidet Blumen zurecht, die seine Frau eben nach Hause gebracht hat. Daniela Nieder komme aus Österreich und sei erst einige Monate später zu ihm nachgereist.

Die Zeit am Nachmittag zwischen 14 und 17 Uhr gehört der Familie, danach arbeitet Nieder wieder im «Dolder», meist bis Mitternacht. Ist er aber zu Hause, geniesst er die Zeit mit Lisa-Marie, die am liebsten mit ihrer Holzküche spielt. Oder er stöbert in einem seiner vielen Kochbücher, die er seit Jahren sammelt. Ansonsten kocht Nieder auch gerne zu Hause – vor allem am Wochenende. Seine Frau Daniela scherzt: «Das ist das Beste an meinem Mann!» Die Küche ist für Nieder ein wichtiger, ja ein sinnlicher Ort. Hier brutzelt er alles – von japanischen Spezialitäten bis hin zum Schmorbraten mit Knödel. «Aber nie so aufwendig wie bei der Arbeit.»

Produkte vom Bauernhof

Doch eines ist Pflicht im Hause Nieder: Es kommen vor allem Frischprodukte auf den Tisch. Tiefkühlpizza findet man keine in der Gefriertruhe. Nieders kaufen auf dem Bauernhof in der Region ein, dort gibt es einen netten Hofladen und einen Spielplatz für Kinder.

Das Zentrum der Wohnung ist der Ort, an dem gegessen wird: der grosse Holztisch. «Der Tisch ist das Wichtigste überhaupt», sagt Heiko Nieder. Ein Tisch brauche einen gewissen Wohlfühlfaktor. Ein Holztisch soll schlicht sein – es drehe sich schliesslich alles ums Essen. Er verzichtet auf Tischsets, Tischläufer oder anderen Schnickschnack. Sein Traum ist ein Esstisch, an dem die Menschen schon vor hundert Jahren gespeist haben. Vielleicht wird sich dieser Traum in einer grösseren Wohnung einst verwirklichen lassen. Denn allmählich wird die 3,5-Zimmer-Wohnung zu eng für die bald vierköpfige Familie. «Wir lassen uns Zeit, denn wir sind sehr glücklich hier», sagt Nieder. Seine Frau Daniela jedenfalls würde sich über mehr Raum freuen, dann könnte sie ihre Staffelei aufstellen. Die Projektleiterin bei der Swisscom malt leidenschaftlich gerne. So hat sie die aufgehängten Acrylbilder mit Spachteltechnik alle selbst gemalt. «Mir gefallen helle Bilder in einer hellen Wohnung – ich würde nie ein dunkles Bild aufhängen.»

Kochbücherwand

Überhaupt macht die Familie Nieder einen zufriedenen und glücklichen Eindruck. Zumindest auf den Fotos, die über dem Flachbildschirm in einem Kreis hängen und die Zahlen einer Uhr ersetzen. Es sind vor allem Aufnahmen der Hochzeit und viele süsse Bilder von Lisa-Marie.

Doch Heiko Nieders eigentliches Reich liegt genau gegenüber von dieser Uhr: die riesige Bücherwand hinter dem gemütlichen Stoffsofa. Hier stehen unglaublich viele Kochbücher aus aller Welt. Aus Japan, aus Schweden, aus den USA, ja sogar aus Australien. «Ein Kochbuch liest man nicht, ein Kochbuch schaut man an», sagt Nieder. Und es ist beruhigend, dass auch ein Sternekoch wie er das Bild zum Rezept anschaut.

«Rein theoretisch könnte ich auch nach Bildern kochen», sagt er. Doch richtig gute Kochideen entstehen im Kopf, in den Ferien, beim Essen, Kochen oder «wenn ich das Kühlhaus aufräume», schmunzelt er und schaut auf die Uhr. «Schatz, ich muss schon bald wieder los», das «Dolder Grand» mit seinen anspruchsvollen Gästen freut sich auf ein gediegenes Abendmenü im «Fine Dining».

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