Coronavirus
Task-Force stellt klar: Gesichts-Visiere schützen weniger gut als Masken – sind aber in Sonderfällen sinnvoll

Die Task Force bestätigt: Visiere sind kein Ersatz für Masken. Es gibt jedoch Spezialfälle, in denen sie zusätzlichen Schutz bieten.

Niklaus Salzmann
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Vorbildlich: Für guten Schutz muss das Visier mit einer Maske kombiniert werden.

Vorbildlich: Für guten Schutz muss das Visier mit einer Maske kombiniert werden.

Pablo Gianinazzi

Ein Hotel in Pontresina hatte im Sommer unfreiwillig ein Experiment gemacht: Ein Teil der Belegschaft schützte sich mit Masken gegen das neue Corona, ein Teil mit Gesichtsvisieren. Drei Personen, die im Service oder an der Bar gearbeitet hatten, steckten sich trotz Visieren an. Von denjenigen mit Masken infizierte sich dagegen niemand.

Die Kantonsärztin wertete dies als deutlichen Hinweis darauf, dass Visiere weniger gut schützen als Gesichtsmasken. Doch verlässliche Aussagen lassen sich aus derartigen Einzelfällen nicht ableiten. Die nationale wissenschaftliche Task Force hat nun - fünf Monate später - den Stand des Wissens in einem «Policy Brief» zusammengetragen. Sie bestätigt: Visiere sind kein Ersatz für Masken. Es gibt jedoch Sonderfälle, in denen sie trotzdem sinnvoll sind.

Nur kurzfristiger Schutz gegen Tröpfchen

Im Frühjahr waren die Visiere in der Gastronomie und in Geschäften mit offenen Lebensmittelauslagen, etwa Konditoreien, oft anzutreffen gewesen. In der Tat sind sie ein effektiver Spuckschutz mit Vorteilen gegenüber einer Maske: Insbesondere bleibt das Gesicht sichtbar und die Sprache wird weniger stark gestört. Doch gegen die feinsten Tröpfchen, auf welchen Viren durch die Luft schweben können, bieten Visiere kaum Schutz. Zwar gibt es eine Studie, die für Tröpfchen einen sehr guten Schutz feststellt. Es scheint sich aber um eine kurzfristige Wirkung zu handeln. In mehreren andere Studien wird die Schutzwirkung bemängelt, besonders über längere Dauer, da sich die feinsten Tröpfchen mit der Zeit im Raum ausbreiten.

In den neuen Regelungen des Bundes, die Mitte Januar in Kraft traten, gilt zum Beispiel am Arbeitsplatz bereits eine klare Maskenpflicht, von Visieren ist nicht die Rede. Damit sind die Regelungen mit dem erst jetzt publizierten «Policy Brief» kompatibel. Auch die Weltgesundheitsorganisation hatte bereits im Juni die Gesichtsvisiere nur für den Fall empfohlen, dass es an Gesichtsmasken mangelt.

Über die Augen kann es indirekt Infektionen geben

In einem Punkt sind die Visiere aber aus epidemiologischer Sicht den Masken überlegen: Sie schützen die Augen. Was bedeutet das nun im Kampf gegen das neue Coronavirus? Das Autorenteam einer im April publizierte Studie kam zum Schluss, dass das Virus nur selten über die Schleimhaut des Auges in den Körper dringt. Jedoch sind Auge und Nase über den Tränennasengang verbunden, so dass Viren auf diesem Kanal in die Atemwege gelungen und eine Infektion auslösen könnten.

Ein Gesichtsvisier bietet also einen zusätzlichen Schutz, wenn es in Kombination mit einer Schutzmaske getragen wird. Am besten sind Visiere, die auch die Seiten des Gesichts abdecken und unters Kinn reichen.

Erlaubt für medizinische und kosmetische Behandlungen im Gesicht

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) erlaubt Visiere als Ergänzung zu Masken nur «bei engem Körperkontakt, bei dem eine Person keine Masken tragen kann». So kann sich zum Beispiel eine Zahnärztin davor schützen, dass Tröpfchen vom Mund des Patienten in ihre Augen gelangen. Auch bei kosmetischen Behandlungen im Gesicht kann ein Visier sinnvoll sein.

In Kombination mit Maske kann allerdings auch eine herkömmliche Brille die Augen schützen. Tatsächlich zeigte sich in einer Studie in China, dass unter den Menschen, die wegen Covid-19 im Spital behandelt werden müssen, verhältnismässig wenige Brillentragende sind. Für zuverlässige Aussagen mangelt es jedoch an Daten.

Auf dem Markt erhältlich sind auch transparente Kunststoffschutze, die in der Form einer Hygienemaske ähneln. Diese sind ebenfalls kein Ersatz für Masken, schreibt das BAG auf seiner Website. Sie sind jedoch erlaubt, wenn das Gegenüber wegen einer Hörbeeinträchtigung auf das Lesen der Lippenbewegungen angewiesen ist und der Abstand nicht eingehalten werden kann.

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