Kommentar
Tierversuche: Der Bund verspielt Vertrauen

In den Abstimmungsunterlagen zum Tierversuchsverbot mangelt es an Transparenz. Ein Fehler.

Niklaus Salzmann
Niklaus Salzmann
Drucken
Das Abstimmungsbüchlein erweckt den Eindruck, neutral zu sein. Das ist es aber nicht immer.

Das Abstimmungsbüchlein erweckt den Eindruck, neutral zu sein. Das ist es aber nicht immer.

phh

Meine Körpergrösse hat in den letzten 40 Jahren stark zugenommen. Korrekt? Ja, mit drei Jahren war ich deutlich kleiner als heute. Und doch ist die Aussage irreführend, da ich in den letzten zwanzig Jahren nicht mehr gewachsen bin.

Ganz ähnlich ist es mit einer Aussage in den Abstimmungsunterlagen zum 13. Februar: «In den letzten 40 Jahren hat der Einsatz von Versuchstieren stark abgenommen.» Dass wir uns zahlenmässig ziemlich genau auf dem Niveau des Jahrs 2000 befinden, wird verschwiegen. Auch die Tatsache, dass die Anzahl Tiere in Versuchen mit höheren Belastungen in diesen zwanzig Jahren tendenziell zugenommen haben, ist nirgends zu finden.

Was gewinnt der Bund durch diese Taktik einseitiger Information? Die Abstimmung? Die ist ohnehin chancenlos an der Urne. Im Parlament kriegte sie keine einzige Ja-Stimme, selbst der Schweizer Tierschutz stellt sich dagegen. Zu gewinnen gibt es also nichts, zu verlieren jedoch sehr wohl: das Vertrauen der Bevölkerung.

Vor drei Jahren wurde die Abstimmung über die Heiratsstrafe wegen fehlerhafter Daten in den Abstimmungsunterlagen annulliert. Der Bund hat nichts daraus gelernt. Kein Wunder, mangelt es dem Bundesrat am Vertrauen der Bevölkerung. An jenem Vertrauen, das für das Management der Coronakrise so dringend nötig wäre.

Aktuelle Nachrichten