Technik

Der nächste Supercomputer wird ein internationales Gemeinschaftswerk

Gross wie ein Tennisfeld: So soll der HPE-Cray-EX-Supercomputer aussehen.

Gross wie ein Tennisfeld: So soll der HPE-Cray-EX-Supercomputer aussehen.

In Finnland entsteht der schnellste Rechner der Welt. Auch die Schweiz beteiligt sich daran. Warum? Der neue ist zwanzig mal schneller als der schnellste Schweizer Computer.

Sie erstellen die Wetterprognose. Sie berechnen, wie sich Coronaviren durch die Luft bewegen. Sie wählen aus, welche Musik wir vom Streamingdienst zu hören kriegen. Supercomputer sind omnipräsent, ohne dass wir sie je sehen. Nun investiert die Schweiz in einen neuen Supercomputer, der im kommenden Jahr in Finnland in Betrieb gehen wird.

Die Dimensionen der Maschine mit dem Namen Lumi sind immens: Das Ding nimmt so viel Platz ein wie ein Tennisplatz und rechnet so schnell wie eineinhalb Millionen moderne Laptops. Der Vertrag mit dem Hersteller Hewlett Packard Enterprise beläuft sich auf 160 Millionen Dollar – zu viel, um von einer einzelnen Institution getragen zu werden. Nebst Finnland und der Schweiz gehören acht weitere europäische Länder sowie die EU zum Konsortium. Es sei das erste Mal, das sich so viele Länder an einem Supercomputer beteiligen, hiess es am Mittwoch an der Pressekonferenz in Finnland.

Auch die Industrie soll damit rechnen können

Die Schweiz erkauft sich damit Zugang zu einem Rechner, der rund zwanzig Mal schneller ist als der schnellste inländische Computer. Lumi soll theoretisch 553 Billiarden Rechenoperationen pro Sekunde schaffen, in der Fachsprache ein halbes Exaflops. Die Maschine steht nicht nur der Wissenschaft zur Verfügung, bis zu ein Fünftel ist für die Industrie sowie kleine und mittlere Unternehmen vorgesehen.

Für die Schweiz ist die Beteiligung an dieser internationalen Kooperation ein Schritt in eine neue Ära. Bisher hat sie auf Rechenkraft im Inland gesetzt. Das von der ETH Zürich bei Lugano betriebene Nationale Supercomputerzentrum (CSCS) hat mit «Piz Daint» immerhin den zehntschnellsten Supercomputer der Welt, zeitweise stand er gar auf Platz drei. Dort entstehen unter anderem die Wetterprognosen von Meteoschweiz.

Die Planung hatte in den Achtzigern während des Kalten Kriegs begonnen. Journalist Giorgio Scherrer spricht im soeben erschienenen Buch «Data Centers» (Lars Müller 2020) von einer Phase des Technologie-Nationalismus, in der es darum ging, nicht den Anschluss zu verlieren gegenüber Ländern wie den USA und Japan. Als das Rechenzentrum 1991 den Betrieb aufnahm, empfanden viele bereits den Standort im Tessin als abgelegen, sassen doch die meisten potenziellen Benutzerinnen und Benutzer in Zürich.

In Finland wird die kühlere Luft genutzt

Mit Lumi wird nun klar, dass es dreissig Jahre später für die Schweiz nicht mehr zentral ist, wo der Supercomputer steht. Wichtig ist, wer ihn benutzen darf. Der Standort kann nach Faktoren wie dem Strompreis und der Stabilität des Netzes ausgewählt werden. Finnland hat gegenüber der Schweiz aber auch einen geografischen Vorteil: Es ist kälter. Denn die aus mehreren Reihen grosser Schränken bestehende Maschine produziert Wärme wie eine enorme Elektroheizung und muss ständig gekühlt werden, damit die Rechner funktionieren. Der Aufwand für die Kühlung ist im hohen Norden vergleichsweise tief.

Auch die Abwärme wird genutzt, sie geht ins Fernwärmenetz der Kleinstadt Kajaani. Das schont nicht nur die Umwelt, sondern auch das Budget.

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