Beim Nachrichtenportal der Swisscom herrscht dicke Luft. Der rund 30-köpfigen Redaktion werden die Löhne gekürzt. Einem Teil der Belegschaft wurden die Verträge per Mitte April gekündigt. Auf Anfang Juli werden sie mit neuen, schlechteren Konditionen nahtlos wieder angestellt.

Gemäss Recherchen betragen die Lohneinbussen bis zu 1000 Franken pro Monat. Betroffen sind all jene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – eine Mehrheit der Belegschaft –, die über die Temporärfirma Adecco bei Bluewin arbeiten. Aber auch die Kollegen mit einem Swisscom-Vertrag müssen mit schlechteren Konditionen rechnen. Sie haben eine Übergangsfrist von einem Jahr, dann laufen ihre Verträge über die Tochtergesellschaft Teleclub Programm AG. Die neuen Verträge werden ab Januar 2020 wirksam und damit auch die Lohnverschlechterungen. Eine Swisscom-Sprecherin bestätigt die Anpassungen nach unten: «Im Zuge der Veränderungen wurden auch die Arbeitsverträge aller Mitarbeitenden angepasst und die Löhne am Lohnsystem der Teleclub Programm AG angepasst.»

Schlechte Stimmung

Entsprechend schlecht ist die Stimmung beim Nachrichtenportal. Mitarbeiter, die sich gegen die Verschlechterungen zur Wehr setzten, seien mit einem «nerv nicht» abgekanzelt worden, sagt eine Quelle. Der Führung wird vorgeworfen, zu wenig zu kommunizieren. «Die Leute leben alle in Angst», sagt die Quelle. Offene Gegenwehr gebe es kaum. Die Leute, die sich offen gewehrt hätten, seien schon seit Ende 2018 gegangen.

Publizistisch betreibt die Plattform seit einiger Zeit einen ambitionierte- ren Kurs. Das Portal fällt regemässig mit Nachrichten-Primeurs auf. Die Redaktion ist auch im Bundeshaus präsent und führt Interviews mit dem politischen Personal. Erst kürzlich interviewte eine Journalistin die CVP-Bundesrätin Viola Amherd.

Damit könnte Bluewin die Schwelle des Zulässigen überschritten und die Verfassung geritzt haben. Für Staatsunternehmen, was Swisscom mit einer 51-Prozent-Beteiligung des Bundes ist, gilt ein striktes Medienverbot. Es zählt der Grundsatz, wonach Staatsmedien in einer Demokratie nichts zu suchen haben. Doch weder der Chef der Swisscom noch die zuständige Bundesrätin (heute ist das Simonetta Sommaruga) hat sich je ernst- haft um das Dossier gekümmert, geschweige denn Anstrengungen unternommen, dem publizistischen Tun der Swisscom klare Grenzen aufzuzeigen.

Strategie fehlt

Dem Portal scheint es an einer klaren Strategie zu fehlen. Der Chef des Portals, Cyrill Treptow, verfolge das Ziel, mit den grossen Online-Medien Schritt halten zu können, heisst es aus dem Innern. Dafür spricht, dass sich Bluewin gezielt mit «NZZ»-Leuten verstärkt hat. Doch eine neue Strategie vermisse man bis heute, heisst es. Gleichzeitig geht intern das Gerücht, die Swisscom habe Bluewin vor einiger Zeit den Stecker ziehen wollen. Gemäss einer Quelle sieht Swisscom die künftige Rolle von Bluewin vor allem als Inhaltslieferantin für ihre TV-Aktivitäten. Dazu passt, dass der Sitz der Redaktion vor kurzem von Zürich in die Agglo- merationsgemeinde Volketswil verlegt – und zwar in die Räumlichkeiten von Swisscoms Pay-Tochter Teleclub.

Ein Problem von Bluewin ist, dass dem Portal die Kunden allmählich wegsterben. Zu Beginn des Internet-Zeitalters vor über 20 Jahren gelangten die Benutzer automatisch auf die Bluewin-Seite, sobald sie sich ins Internet einwählten. Das ist schon länger nicht mehr der Fall. Entsprechend büsste das Portal Marktanteile ein. Zudem schaffte es Bluewin nicht, sich in der Mobile-Welt zu etablieren. Nichtsdestotrotz bleibt das Portal mit rund drei Millionen Besuchern (Visits) und 150 Millionen Seitenaufrufen pro Monat (Page Impressions) ein bedeutender Akteur unter den Schweizer Online-Medien.