Galaxy-Modelle

Samsung faltet das Smartphone: Das Galaxy Fold ist sowohl Tablet als auch Handy

Vor zehn Jahren hat Samsung das erste Galaxy S lanciert. Nun wollen die Koreaner das Smartphone neu erfinden: als faltbares Gerät. Das hat seinen Preis.

Mit dem Galaxy-Smartphone hat Samsung vor zehn Jahren neue Massstäbe gesetzt. In erster Linie, was die Bildschirmgrösse angeht. Die Koreaner haben zuerst verstanden, dass Menschen so sehr von ihrem Handy besessen sind, dass das Display kaum gross genug sein kann. Während iPhone-Nutzer in den ersten Jahren mit bescheidenen 3,5 Zoll Bildfläche auskommen mussten, startete Samsung bei 4 Zoll.

Nun bricht Samsung in die zweite Dekade auf und will das Smartphone neu erfinden: als faltbares Gerät. Gestern haben die Koreaner parallel in San Francisco und London das Galaxy Fold vorgestellt. Zusammengeklappt ist es ein Handy mit einem 4,6 Zoll Bildschirm. Faltete man es auf, zeigt es seine wahre Grösse und wird zu einem kleinen Tablet mit einem 7,3 Zoll Display.

Man soll eine App wie etwa Google Maps auf dem kleinen Bildschirm starten können und nach dem Aufklappen des Geräts auf dem grossen Display ohne Unterbruch weiter nutzen können. Das Fold soll das Smartphone und das Tablet zu einem neuen Gerät verschmelzen. Das hat seinen Preis: Über 2000 Franken wird das Galaxy Fold kosten, wenn es am 3. Mai in der Schweiz erscheint. Ausserdem ist es in zusammengeklapptem Zustand merklich dicker als ein herkömmliches Smartphone – und ausgeklappt doch einiges kleiner als ein Tablet. Wirklich beurteilen kann man das Fold aber erst, wenn man das Gerät in die Hände nehmen kann - genau das war aber in London nicht möglich.

Das S10 gibts in drei Grössen

Allzu schnell dürfte das Fold die herkömmlichen Smartphones also noch nicht verdrängen. Und so hat Samsung auch eine weitere Generation des Galaxy S vorgestellt. Das grosse Galaxy S10+ hat einen 6,4 Zoll Bildschirm, das kleinere S10 ein 6,1 Zoll Bildschirm – und neu gibt es eine dritte, handlichere Variante: das Galaxy Se mit einem 5,8 Zoll Display.

Vor Jahren hätte Letzteres als sogenanntes Phablet (Mischung aus Phone und Tablet) gegolten, heute geht es schon fast als Mini-Phone durch. Doch die Bildschirme sind nicht einfach grösser geworden, sie verdrängen auch immer mehr den Rahmen auf der Vorderseite. Neu hat Samsung sogar die Frontkameras (das S10+ verfügt über deren zwei für super-professionelle Selfies) ins Display eingebaut. Auch der Fingerprintsensor zum Entsperren des Gerätes liegt unter dem Bildschirm (in unserem kurzen Test hat das einwandfrei funktioniert). Umso weniger verständlich ist, dass das Display unten nicht bis zur Kante gezogen wurde, sondern ein breiterer Rand bleibt als oben. Für Ästheten ein No-Go.

Während sich Apple punkto Displaygrösse Samsung angepasst hat – das iPhone XS Max misst 6,5 Zoll –, liessen sich die Koreaner ihrerseits im Design von den Amerikanern inspirieren. Die ersten Galaxy-Phones bestanden hauptsächlich aus Plastik. Das war praktisch: Einen Aufprall überlebte das Gerät so eher, und vor allem liess sich der Akku austauschen. Mittlerweile setzt auch Samsung auf Glas und Metall. Die Deluxe-Version prunkt sogar mit einer Keramik-Rückseite.

Verspekuliert sich Samsung wie Apple

Stolz sind aber auch die Preise. Das S10+ ist nicht unter 1000 Franken zu haben. Ja, auch hier hat sich Samsung von Apple inspirieren lassen. Ob das aufgeht, wird sich zeigen. Apple hat sich letztes Jahr mit seinen hohen Preisen verspekuliert: Das iPhone XS verkaufte sich massiv schlechter als erwartet, was für einen Kurseinbruch der Apple-Aktie sorgte.


Längst gibt es aber nicht mehr nur Apple und Samsung. Zwar konnten sie etablierte Handy-Hersteller wie Ericsson, Nokia und Motorola von der Bildfläche verdrängen, doch neue Hersteller, allen voran aus China, haben sich in den letzten Jahren Geltung verschaffen. So hat Huawei mittlerweile Apple als Nummer zwei punkto verkaufter Geräte abgelöst. Und Xiaomi fordert mit tiefen Preisen gepaart mit Ästhetik die Konkurrenz heraus. Nein, man muss keine tausend Franken ausgeben für ein gutes Handy.

Exzellente Weitwinkelkamera

Wer es dennoch tut, bekommt bei Samsung viel High-Tech – aber kaum was, das Huawei nicht schon letztes Jahr in das P20 integriert hätte. Die drei Linsen auf der Rückseite des S10+ (bei den anderen Modellen sind es deren zwei) sorgen für exzellente Fotos und Videos. Insbesondere die Weitwinkel-Kamera begeistert. Der Bildschirm ist so gestochen scharf und eben auch gross, dass man sich gut vorstellen kann, darauf ganze Netflix-Serien zu schauen. Wer möchte, kann auch eine halbe Cinemathek auf dem Gerät abspeichern. Mit zusätzlicher SD-Card kann der Speicher bei der DeluxeVersion auf 1,5 Terabyte erweitert werden. Ob man das im Cloud-Zeitalter braucht?


Nützlicher könnte sich im Alltag eine andere Funktion erweisen: Das neue Galaxy lädt nicht nur kontaktlos, sondern kann auch Energie abgeben. Um ein anderes Handy mit Strom zu versorgen, legt man die beiden Geräte einfach aufeinander. Das funktioniert auch mit einer Samsung Smartwatch. Und sogar mit einem neueren iPhone.


Der grosse Knaller, auf den man bei einem Jubiläums-Gerät vielleicht gehofft hat, ist aber auch das nicht. Immerhin zeichnen sich am Horizont neue Ideen ab. Samsung liess am Mittwochabend nach vorne blicken: Im Sommer erscheint eine noch grössere S10-Version, die mit dem neuen Mobilfunkstandard 5G kompatibel sein wird. Ausserdem haben die Koreaner ein Smartphone mit faltbarem Display präsentiert, das sich zu einem Tablet ausklappen lässt. Ob so die Zukunft des Smartphones aussieht?


Die neuen Modelle gibt es ab 8. März in der Schweiz zu kaufen. S10e ab Fr. 779.-, S10 ab Fr. 929.- und S10+ ab Fr. 1029.-.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1