Digitale Magie
Wann ist dieses Foto gemacht worden? Die Antwort ist verblüffend

70er? 90er? Oder vielleicht doch erst letztes Jahr? Wenn Marina Amaral alten Bildern Farben einhaucht, lassen sie sich kaum mehr ihrem Ursprungsdatum zuordnen. Genau das ist es, was die brasilianische Coloristin will.

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Brücken schlagen. Darum geht es Marina Amaral. Die junge Frau aus Brasilien ist digitale Coloristin. Sie haucht historischen Schwarz-Weiss-Fotos Farben ein. Und rückt sie so in ein völlig neues Licht.

Mit einem Test auf der Strasse zeigt das ein BBC-Video (oben) recht eindrücklich. Den Passanten wurde das Bild eines jungen Mannes gezeigt, sie sollten raten, wann es gemacht worden ist. Sie tippten auf «kürzlich», 2007, die 90er, die 60er. Die richtige Antwort: 1865.

Der Verschwörer und das Mädchen ohne Zukunft

Darauf kam verständlicherweise niemand. Denn der junge Mann sieht tatsächlich mehr wie das Mitglied einer 90er-Boyband aus – und nicht wie der, der er wirklich ist: Lewis Powel, Mitverschwörer des Attentäters von Abraham Lincoln. Das Originalbild zeigt ihn in Handschellen, 1865 wurde er erhängt.

Es sind starke Geschichtsdokumente, die Marina Amaral koloriert. Sie hat eine klare Botschaft: «Mit Farbe kann man eine Art Brücke schlagen in die Vergangenheit. Plötzlich kann man regelrecht fühlen: Das ist wirklich passiert.»

Verändern möchte sie nichts an den Bildern. Die Farbe verändere schon genug. So zum Beispiel bei dem Bild, das ihr am meisten am Herzen liegt. Es zeigt Czeslawa Kwoka, die 14-jährig in Auschwitz das Leben verlor. Amaral: «Ich wollte ihr die Möglichkeit geben, ihre Geschichte zu erzählen, zu sagen: Ich hatte Träume, Familie, Freunde – und ich habe alles verloren.» (smo)

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