Gastronomie

«Einmal Coup Aargau, bitte!» Wir haben das erste Vermicelles-Restaurant der Schweiz besucht

Ein Schweizer Dessertklassiker, serviert im schicken Pop-up-Lokal.

Ein Schweizer Dessertklassiker, serviert im schicken Pop-up-Lokal.

Drei junge Gestalter haben in Zürich ein ganz spezielles Restaurant eröffnet. In die Coupschalen kommt nur Schweizer Marroni-Püree.

«Das hätten wir so nie erwartet», sagt David Jäggi am Telefon. Gerade fährt er mit 100 Kilo frischem Vermicelles-Püree vom Bieler Seeland nach Zürich in den Kreis 4. Er bringt dringend benötigten Nachschub in seine eben erst eröffnete Vermicelleria.

Gegen Abend würden teils 50 Leute vor dem kleinen Lokal Schlange stehen. Gehe es so weiter, würden auch die zusätzlichen Kilo nicht allzu weit reichen, fürchtet Jäggi. Er hat deshalb ins Bergell telefoniert, um dort die letzten Marroni aufsammeln zu lassen. Denn in der Vermicelleria, die er zusammen mit Hanna Büker und Nicole Heim auf die Beine gestellt hat, kommt nur echt schweizerisches Kastanien-Püree in die Coupschalen.

Eine Nouveauté, denn der Schweizer Winterdessert-Klassiker wird sonst stets aus ausländischen Edelkastanien hergestellt. Warum eigentlich, wenn es doch im Süden der Schweiz riesige Kastanienwälder gibt, fragten sich die drei Freunde. Von der Frage bis zum fixfertigen Gesamtkonzept verging ein knappes Jahr. So gehören auch selbst hergestellte Coup-Schalen aus Keramik und kunstvoll inszenierte Fotos zum Pop-up-Projekt.

Einen Monat lang kann man nun in der Gelateria Tellhof «Coup Aargau» oder «Coup Bergell» bestellen. Die ­Namen sind der Herkunft der Edelkastanien gewidmet. Dass auch nördlich der Alpen Marroni wachsen, wüssten viele Leute nicht, sagt Jäggi. Das Bergeller-­Püree sei süsser, dass Aargauer nussiger. Der Doppelrahm für beide kommt aus der Gruyère, die Meringues aus dem Emmental, die Kirschen aus dem Solothurnischen – mehr Schweiz in einer kleinen Cupschale geht fast nicht.

Ob es nächstes Jahr auch noch einen Coup Ticino, Valais und Vierwaldstättersee gibt, lässt David Jäggi offen. Überall dort wachsen auch Edelkastanien. Er versucht jetzt erst einmal genug Vermicelles für einen Monat heranzuschaffen. «Es hät, so langs hät.» Und sonst gäbe es in der Gelateria Tellhof, wo sich das Pop-up-Projekt eingemietet hat, auch noch Glaces. Wobei sich die Seniorengruppe, die man nun plötzlich an der Tellstrasse entlangspazieren sieht, sicher nicht mit Glace abspeisen lässt.

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Autor

Katja Fischer De Santi

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