Klimaerwärmung

ETH-Simulation zeigt, wie wenig vom Aletschgletscher in 80 Jahren noch bleiben wird

Blick auf den Aletschgletscher von der Moosfluh (Riederalp) aus.

Blick auf den Aletschgletscher von der Moosfluh (Riederalp) aus.

Die Klimaerwärmung setzt auch dem grössten Gletscher der Alpen sichtlich zu. ETH-Forscher haben nun simuliert, was vom Aletsch­glet­scher im Jahr 2100 noch zu sehen sein wird. Viel ist es nicht.

(watson.ch/mlu) Er ist die Gletscher-Ikone der Schweiz: Der Grosse Aletschgletscher. Doch das zunehmend warme Klima setzt dem mächtigen Gletscher genauso zu wie dem Matterhorn, das immer mehr zu bröckeln beginnt. Seit dem Jahr 2000 hat sich die Zunge des Aletschgletschers um rund einen Kilometer zurückgezogen, schreibt die ETH in einer Mitteilung.

Doch was, wenn die Klimaerwärmung weiter voranschreitet? Was bleibt vom mächtigen Gletscher? Nun, nicht mehr viel. Zu diesem Schluss kommen Forscher der ETH Zürich. Guillaume Jouvet und Matthias Huss haben in einer detaillierten Simulation untersucht, wie sich der Aletschgletscher in den kommenden Jahren verändern wird.

Die Simulation der ETH:

Die beiden Forscher haben ein dreidimensionales Gletschermodell verwendet, mit dem sich die Dynamik eines einzelnen Gletschers detailliert abbilden lässt. «Die Eisbewegungen beim Aletschgletscher sind besonders komplex, weil von oben drei mächtige Eisströme kommen, die sich auf dem Konkordiaplatz vereinigen und von da aus gemeinsam weiter ins Tal vorstossen», erklärt Froscher Matthias Huss.

Huss und Jouvet basierten ihre Arbeit auf den neuen regionalen Klimaszenarien für die Schweiz, die im letzten Herbst vorgestellt wurden. Dabei haben sich die beiden Forscher auf drei Szenarien konzentriert, die von unterschiedlich starken Verän­de­run­gen der CO2-Konzentration in der Atmosphäre ausgehen und damit auch von einer unterschiedlich starken Erwärmung des Klimas.

50 Prozent Verlust – im besten Fall

Im günstigsten Fall könnte die globale Erwärmung unter 2 Grad Celsius gehalten werden – so wie im Klimaabkommen von Paris vorgesehen. Doch: «Selbst in diesem Fall muss damit gerechnet werden, dass sich der Rückgang des Aletschgletschers bis Ende Jahrhundert fortsetzen wird», hält Jouvet fest. «Sowohl beim Eisvolumen als auch bei der Länge müsste in diesem Fall mit einer Abnahme von mehr als 50 Prozent im Vergleich zu heute gerechnet werden.»

Wesentlich dramatischer sieht die Situation aus, wenn sich die Welt­gemein­schaft nicht zügig durchringen wird, effektive Massnahmen gegen die Klimaerwärmung zu ergreifen. Sollte sich das Klima in der Schweiz bis Ende Jahrhundert um vier bis acht Grad im Vergleich zur Referenzperiode 1960-1990 erwärmen wird, werden vom ehemals grössten Alpengletscher im Jahr 2100 nur noch ein paar mickrige Eisfelder übrigbleiben.

Die Sicht von Eggishorn zeigt den markanten Rückgang der Eiszunge:

«Auch der Konkordiaplatz direkt unter dem Jungfraujoch, auf dem sich das Eis heute noch rund 800 Meter hoch türmt, wird dann völlig eisfrei sein», ergänzt Jouvet.

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