Unfallforschung
Das passiert beim Crashtest mit Elektroautos – welche Gefahr von der Batterie ausgeht

Immer mehr Elektroautos sind auf den Schweizer Strassen unterwegs, das heisst, es gibt auch immer mehr Unfälle, in die strombetriebene Fahrzeuge verwickelt sind. In Dübendorf haben Unfallforscher deshalb getestet, was bei einem Crash passieren kann.

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Es ist erst etwas mehr als eine Woche her, als ein Video aus Moskau die Runde machte. Auf der dortigen Autobahn kam es zu einem Auffahrunfall mit einem Tesla im selbstfahrenden Modus, das Elektroauto explodierte und brannte vollständig aus:

Rund 25'000 Elektroautos sind laut dem Versicherungskonzern Axa zurzeit auf auf Schweizer Strassen unterwegs. Und es werden immer mehr. Die Axa-Unfallforscher haben deshalb am Donnerstag in Dübendorf ZH ihre alljährlichen Crashtests mit Elektroautos durchgeführt, um die Risiken von Unfällen mit elektrisch betriebenen Fahrzeugen zu untersuchen.

Fazit: «Ein Unfall mit einem E-Auto ist für die Insassen ähnlich gefährlich wie mit einem konventionell angetriebenen Auto», heisst es im Bericht der Axa. Bei einer sehr heftigen Kollision werde bei Elektroautos die Hochvoltanlage ausgeschaltet, um sicherzustellen, dass das Fahrzeug nicht mehr unter Spannung stehe.

Schnelles Feuer und giftige Dämpfe

Eine Schwachstelle sind laut der Unfallforscherin Bettina Zahnd die Batterien: «E-Autos brennen zwar nicht häufiger als andere Fahrzeuge, doch wenn sich eine Batterie entzündet, brennt sie sehr schnell und kann kaum mehr gelöscht werden.»

In diesem Fall sei es wichtig, dass Helfer und Rettungskräfte Verunfallte möglichst rasch aus dem Fahrzeug befreien und in sichere Distanz bringen können. Nicht nur vor dem Feuer, auch vor giftigen Dämpfen müsse man sich in einem solchen Fall schützen.

Zusammenprall eines Elektro-Autos, links, und eines Benzin-Autos, rechts.
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Zusammenprall eines Elektro-Autos, links, und eines Benzin-Autos, rechts.
Beschädigtes Elektro-Auto.
Beschädigtes Elektro-Auto.
Beschädigtes Elektro-Auto.
Beschädigtes Elektro-Auto.
Beschädigtes Elektro-Auto.
Eine Puppe wird für den Crashtest vorbereitet.
Zusammenprall eines Elektro-Autos und einer Rentnerin.

Zusammenprall eines Elektro-Autos, links, und eines Benzin-Autos, rechts.

WALTER BIERI

Die Axa weist weiter darauf hin, dass das Fahren mit Elektroautos etwas Übung oder Umgewöhnung brauche. Sie beschleunigen schneller und anders. Und vor allem auch lautlos, was gefährlich sein kann, wenn etwa Fussgänger ein Auto nicht hören.

Autopilot mit Grenzen

Der Tesla, der in Moskau explodiert ist, hat sich im selbstfahrenden Modus befunden. In diesem Modus sollte das Auto eigentlich selbstständig bremsen, bevor es zu einer Kollision kommt. Doch blindes Vertrauen in die Technik ist laut der Axa gefährlich. Der dritte Crashtest, bei dem das pinke Elektroauto in die Leitplanke prallt, stellt laut den Unfallforschern genau diese Situation nach:

«Ein E-Autofahrer ist auf der Autobahn unterwegs und fährt mit eingeschaltetem Autopiloten, der die Längs- und Querführung übernimmt. Der Fahrer vertraut dieser Technik und lässt sich – obwohl er nach heutiger Gesetzeslage stets auf den Verkehr konzentriert sein muss – ablenken. Im Bereich einer Autobahnverzweigung kommt das Assistenzsystem an seine Grenzen und gibt die Fahraufgabe umgehend an den Lenker zurück. Der Fahrer müsste sofort reagieren, doch weil er abgelenkt war, reagiert er zu spät. Das Auto kollidiert frontal mit rund 100 km/h mit einem Anpralldämpfer.»

Dieser schwäche den Aufprall zwar mehr ab als etwa ein Betonpfeiler, bei einem solchen Unfall müsse aber mit mittleren bis schweren Verletzungen des Fahrers gerechnet werden. (smo)

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