Tiere
Deshalb fahren Marder so sehr auf Autokabel ab

Die Vorliebe von Mardern, sich unter Motorhauben von Autos zu verkriechen und Kabel anzubeissen, dürfte laut Biologen vom Spieltrieb und der Neugierde der kleinen Raubtiere kommen.

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Steinmarder haben eine Vorliebe für Autokabel. Am Geschmack liegt es nicht.

Steinmarder haben eine Vorliebe für Autokabel. Am Geschmack liegt es nicht.

AZ

"Der Steinmarder ist ein sehr verspieltes Tier. Dinge wie zum Beispiel Pflanzen im Garten oder Holz mit dem Gebiss zu erforschen, entspricht seinem natürlichen Verhalten", sagte die Wildtierbiologin Christa Mosler-Berger, Co-Leiterin der Geschäftsstelle Wildtier Schweiz in Zürich, am Mittwoch der Nachrichtenagentur sda auf Anfrage.

Für Marderschäden ist der Steinmarder verantwortlich. Anders als sein Vetter, der Baummarder, ist der Steinmarder kein eigentlicher Waldbewohner. "Als typischer Kulturfolger hält er sich gerne in der Nähe von menschlichen Siedlungen auf", erklärt Mosler-Berger. Unterschlupf findet er unter Steinhaufen, Holzbeigen, Scheunen und Estrichen.

Vorliebe für Ostschweizer Autos

Statistisch gibt es im Mai bis Juni am meisten Marderschäden bei Fahrzeugen. Dann ist das Revierverhalten der Steinmarder besonders ausgeprägt. In der Ostschweiz ist die Wahrscheinlichkeit für einen Marderschaden besonders hoch, wie eine am Mittwoch veröffentlichte Auswertung der Versicherung AXA Winterthur zeigt. In den Kantonen Appenzell Innerrhoden, Jura, Thurgau und St. Gallen ist das Risiko für solches Ungemach besonders hoch. Relativ zur Anzahl der versicherten Autos beissen die Tiere dort nämlich am häufigsten zu. In Graubünden, Wallis oder Genf hingegen müssen Autofahrer kaum über die Marder ärgern. Lenkerinnen und Lenker in den besonders gefährdeten Kantonen haben ein über 40 Prozent höheres Risiko für einen Marderschaden am Auto als der Durchschnitt.

Schutz und Restwärme unter der Haube

Auch der Motorraum eines Autos erweist sich aus Sicht des Marders als ideales Versteck. Der Motor gibt Restwärme ab und die Motorhaube bietet ihm Schutz vor dem Wetter sowie vor dem ärgsten Fressfeind, dem Fuchs. Dass Füchse in den letzten Jahrzehnten immer weiter in menschliche Siedlungen eingedrungen ist, dürfte die Vorliebe der Marder für Motorhauben verstärkt haben, glaubt Mosler-Berger.

In den Monaten Mai und Juni verteidigen die Tiere ihr Revier intensiver gegen Artgenossen und markieren es mit Duftstoffen. Markierte Autos rufen Konkurrenten auf den Plan. Weil ein Auto nicht fest am Platz steht, wird es möglicherweise öfters aufgesucht und von mehreren Tieren markiert - womit auch die Wahrscheinlichkeit eines Marderschadens steigt.

Auf die Marke kommts nicht an

Biologen vermuten auch, dass den Mardern einfach die Konsistenz der Kabel zusagt, wie Mosler-Berger hinzufügt. Hingegen gibt es keine Hinweise darauf, dass die kleinen Raubtiere von gewissen Geschmacksstoffen in den Kabel speziell angetan sind. Umfangreiche Tests in Deutschland, bei denen Kabel verschiedener Autohersteller und unterschiedlicher Zusammensetzung eingesetzt wurden, hätten keine entsprechende Neigung der Marder gezeigt.

Steinmarder sind Allesfresser, die jedoch vor allem Fleisch zu sich nehmen. Sie erbeuten Kleinsäuger wie Mäuse, Ratten und Kaninchen, Vögel und deren Eier, Frösche und Insekten. Im Sommer stehen auch Beeren und Früchte auf dem Menüplan. (sda/cze)

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