Die Enttäuschung aus dem ersten Teil der ExoMars-Mission dürfte den Projektverantwortlichen noch in den Knochen sitzen: Die Sonde "Schiaparelli" stürzte im Oktober 2016 beim Landeversuch auf die Marsoberfläche und zerschellte. Schuld war ein Computerfehler. Damit ging die Generalprobe für die Landung einer Forschungsplattform und eines Rovers, die im Sommer 2020 zum Roten Planeten aufbrechen sollen, gründlich in die Hose.

Für den zweiten Teil der ExoMars-Mission laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Kürzlich gab die ESA jedoch bekannt, dass das Fallschirmsystem bei wichtigen Tests versagt habe. Ob sich die Probleme rechtzeitig beheben lassen, um das Startfenster vom 25. Juli bis 13. August 2020 beizubehalten, ist noch unklar.

Das Landemodul soll in mehreren Schritten mit zwei Hauptfallschirmen abgebremst werden, die jeweils durch einen kleinen "Pilot-Fallschirm" aufgespannt werden. Die erste Bremsphase übernimmt ein Fallschirm mit 15 Metern Durchmesser, die zweite einer mit 35 Metern. Ein solch komplexes und grosses Fallschirmsystem sei noch nie für eine Marslandung entwickelt worden, betonte ExoMars-Projektmanager François Spoto von der ESA auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Schrittweises Abbremsen

Die Aufgabe der Fallschirme ist es, das Landemodul soweit abzubremsen, dass die Bremsraketen in der letzten Phase ein sanftes Aufsetzen auf der Marsoberfläche ermöglichen. Im vergangenen Mai testeten die Projektverantwortlichen erstmals das gesamte System bei einem Sturz aus grosser Höhe, nämlich von 29 Kilometern. Zwar öffneten sich die Schirme korrekt und wurden zum richtigen Zeitpunkt abgekoppelt, jedoch erlitten die beiden Hauptfallschirme Schäden.

Auch ein Test Anfang August mit Fokus auf den grösseren der beiden Fallschirme schlug fehl. Beim Öffnen des Schirms entstanden Risse, so dass der Fallschirm den Sturz nicht ausreichen bremsen konnte. Nur der kleine Pilot-Fallschirm fing den freien Fall des Testmoduls ein wenig ab.

Nach Design-Verbesserungen sollen erneute Tests folgen. Gelegenheiten, die beiden Haupt-Fallschirme doch noch zu qualifizieren, gebe es im November und im Februar, wie Spoto erklärte.

Schlagen diese Tests ebenfalls fehl, liesse sich das veranschlagte Startfenster nicht einhalten, fügte Nico Dettmann von der Esa hinzu. Ein späterer Start der Mission müsse diskutiert und mit den Esa-Mitgliedsstaaten und internationalen Projektpartnern gemeinsam beschlossen werden. Eine Verzögerung würde auch zu zusätzlichen Kosten führen, deren Höhe sich noch nicht abschätzen liessen. Die Esa sei jedoch zuversichtlich, dass sich das Problem rechtzeitig lösen lasse.

Eine Landung auf der Marsoberfläche ist eine äusserst knifflige Angelegenheit. Bisher ist es nur der Nasa gelungen, Landemodule unbeschadet auf dem Roten Planeten zu landen. Mit dem in Europa entwickelten Rover "Rosalind Franklin" und der russischen Mars-Forschungsplattform "Kazachok" hoffen die Esa und Roskosmos, diese Monopol-Stellung der Nasa zu knacken.

Schweizer Instrumente an Bord

Die Mission ExoMars (für "Exobiologie auf dem Mars") hat zum Ziel, nach Spuren von gegenwärtigem oder vergangenem Leben auf dem Mars zu suchen. Der Rover soll mehrere Instrumente tragen, an denen auch Schweizer Forschende beteiligt sind.

Insbesondere wurde ein Kamerasystem namens "Clupi" (Close-Up Imager) vom Swiss Space Office finanziert und unter der Leitung des Space Exploration Institute in Neuenburg entwickelt. Beteiligt ist auch das Naturhistorische Museum Bern. Ein Element, das die Universität Bern ursprünglich zu einem Spektrometer namens "MicrOmega" für mineralogische Studien beisteuern sollte, sei aufgrund von Gewichtsbeschränkungen aus der Planung gestrichen worden, erklärte Nicolas Thomas von der Uni Bern.

Mit dem Kamerasystem "Cassis" an Bord des ExoMars-Orbiters "TGO", der seit 2016 den Mars umkreist, ist die Universität Bern jedoch prominent an ExoMars beteiligt. Das Team um Thomas liefert dank der in Bern entwickelten Kamera regelmässig spektakuläre Aufnahmen der Marsoberfläche.