Ob wir Wasser für unsere Nudeln kochen, die Heizung aufdrehen oder mit dem Auto schnell zum Kiosk fahren, um die Zeitung zu holen: Wir produzieren Kohlendioxid – und das nicht zu knapp.

Rund 36 Milliarden Tonnen des Gases entweichen jährlich in unsere Atmosphäre und tragen dort massgeblich zur globalen Erwärmung bei.

Neben Kohle- und Gaskraftwerken zur Energiegewinnung und der Industrie sind Autos die schlimmsten Dreckschleudern. Kilometer für Kilometer stossen ihre Verbrennungsmotoren ungehindert Kohlendioxid aus.

Wissenschafter der Universität von Texas wollen nun der Lösung genau dieses Problems einen Schritt näher gekommen sein.

Erstmals soll es ihnen in einem Grundlagenexperiment gelungen sein, Kohlendioxid wieder in einen nutzbaren Kraftstoff zu transformieren. In einem speziellen Reaktor zur Einmischung von Gasen in Flüssigkeiten wandelten sie das Treibhausgas mithilfe von konzentriertem Licht, Hitze, hohem Druck und Wasser zu neuem Brennstoff um.

Schweizer Experte ist skeptisch

Zwar würde durch die Nutzung des neu gewonnenen Kraftstoffs wiederum schädliches Kohlendioxid freigesetzt. Spinnt man die Vision des US-Forschungsteams aber weiter, dürfte das kein Problem mehr darstellen. Das Treibhausgas würde der Atmosphäre schlicht wieder entnommen und neuer Kraftstoff generiert – ein klimaneutraler Kreislauf wäre die Folge.

Sieht so die Lösung unseres Energieproblems aus? Alexander Wokaun, Bereichsleiter Allgemeine Energie am Paul-Scherrer-Institut (PSI), ist skeptisch.

«Es erscheint wenig attraktiv», so der Chemie-Professor, «das hochverdünnte Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu absorbieren, wenn gleichzeitig riesige Mengen in konzentrierter Form aus Kraftwerken und Industriebetrieben emittiert werden.»

Weil die texanischen Forscher für ihre Experimente reines Kohlendioxid verwendeten, sei man vom Herausfiltern des Treibhausgases aus der Atmosphäre noch weit entfernt.

Am PSI erforschen Wissenschafter derzeit die Möglichkeit, überschüssigen Strom aus Wind- und Wasserkraft zu einem energiereichen, synthetischen Gas umzuwandeln.

Noch hat die Technologie der USForscher also viele Tücken. Kopfzerbrechen bereitet den Wissenschaftern derzeit vor allem die Effizienz des Transformationsprozesses.

In den besten Testläufen konnten gerade einmal 13 Prozent der Ausgangsmasse in neu nutzbaren Brennstoff umgewandelt werden. Ein weiterer Knackpunkt dürfte es sein, die Menschheit von der neuen Methodik zu überzeugen – und der Tatsache, dass die Förderung fossiler Brennstoffe weiterhin sinnvoll ist. Trotzdem sind die Wissenschafter zuversichtlich, dass ihre Methode die Energiegewinnung eines Tages revolutionieren könnte.