Gesundheit
Nun also doch: Hepatitis-Fälle könnten mit Corona zu tun haben

Die mysteriösen Leber-Entzündungen bei Kindern bleiben ungeklärt. Eine neue These bringt nun aber doch Sars-CoV-2 ins Spiel. Die bisher verdächtigten Adenoviren bleiben trotzdem entscheidend.

Wanja Staubli
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Auch wenn die neue These Adenoviren nicht als direkte Ursache für die Hepatitis-Fälle sieht spielen sie eine wichtige Rolle.

Auch wenn die neue These Adenoviren nicht als direkte Ursache für die Hepatitis-Fälle sieht spielen sie eine wichtige Rolle.

Design Cells / iStockphoto

Seit Anfang April häufen sich weltweit Fälle von schweren Leberentzündungen bei Kindern, nur die Schweiz blieb bisher offenbar verschont. Die Ursache bleibt unklar. Bisher werden Adenoviren des Subtyps 41F als wahrscheinlichste Ursache für diese Hepatitis-Fälle angesehen. Merkwürdig ist jedoch, dass die verdächtigten Viren bei zuvor gesunden Kindern bisher eher mit erkältungsähnlichen Symptomen assoziiert wurden, nicht mit schwerer Hepatitis. Nun ist dazu am 13. Mai in der medizinischen Fachzeitschrift «The Lancet» eine neue These aufgestellt worden.

Dabei spielt Sars-CoV-2 eine zentrale Rolle. Nach einer Covid-19-Erkrankung – auch wenn sie symptomlos verläuft – können Viren im Körper, beispielsweise im Magen-Darm-Trakt, zurückbleiben und ein Reservoir bilden. Proteine der Viren können von dort aus immer wieder in den Blutkreislauf gelangen und jedes Mal eine Immunreaktion auslösen. Diese Immunreaktion könnte durch eine zusätzliche Infektion mit Adenoviren so verstärkt werden, dass es zu einer Entzündung der Leber kommt.

Ein Superantigen könnte der Verursacher sein

In Mäusen wurden bereits ähnliche Mechanismen beobachtet. Diese hatten nach einer Infektion durch Adenoviren eine erhöhte Anfälligkeit auf eine schwere Erkrankung durch Staphylokokkus-Bakterien mit Leberversagen und Tod als Folge. Grund dafür ist das in Staphylokokken enthaltene Enterotoxin B, ein sogenanntes Superantigen.

Superantigene lösen eine breite, unspezifische Immunantwort aus. Dazu werden T-Zellen des Immunsystems aktiviert, welche daraufhin grosse Mengen an Signalstoffen freisetzen. Einer dieser Signalstoffe ist das sogenannte Interferon-gamma, welches wiederum andere Immunzellen aktiviert und dadurch eine massive Entzündungsreaktion auslöst.

Im Spike-Protein des neuen Coronavirus wurde eine Struktur gefunden, welche diesem Enterotoxin B ähnelt. Dies könnte zusammen mit der verstärkenden Wirkung der Adenoviren eine Erklärung für die Hepatitis-Fälle bei Kindern sein.

Die These soll nun überprüft werden. Zurückgebliebene Viren einer durchgemachten Covid-19 Erkrankung könnten im Stuhl nachgewiesen werden. Wenn bei Kindern mit Hepatitis dazu noch erhöhte Interferon-gamma-Werte gemessen würden, wäre das solide Indizien. Damit wäre ein grosser Schritt hin zu einer spezifischen Behandlung getan.

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