Pendler sollten den Weg zur Arbeit mit dem Velo bestreiten. Zumindest wenn man das Risiko von Herzkrankheiten oder Krebs um fast die Hälfte verringern will. Eine neue Studie der schottischen Universität Glasgow hat herausgefunden, dass Menschen, die mit dem Velo zur Arbeit fahren, um einiges gesünder Leben als nichtaktive Pendler.

Die Forscher rechneten ein 45 Prozent kleineres Risiko für Krebs und ein 46 Prozent niedrigeres Risiko für Herzkrankheiten. Insgesamt hätten die Velo-Pendler ein 41 Prozent niedrigeres Risiko eines vorzeitigen Todes.

Doch das Laufen ist auch nicht ohne, bringt jedoch nicht dieselben Vorteile wie das Radfahren. Wer regelmässig zu Fuss zur Arbeit geht, hat ein 27 Prozent niedrigeres Risiko einer Herzerkrankung. Jedoch werden Risiken für Krebs oder vorzeitige Tode allgemein nicht gross durch das Laufen vermindert.

Im Vergleich zum Laufen bringt Velofahren laut der Statistik also einen grösseren gesundheitlichen Nutzen. Das könnte darauf zurückzuführen sein, dass Velofahrer grössere Strecken zurücklegen, meint Carlos Celis-Morales, der an der Studie beteiligt war: «Läufer legten im Schnitt kürzere Strecken zurück, ungefähr 10 Kilometer in der Woche. Fahrradfahrer bringen hingegen wöchentlich bis zu 50 Kilometer hinter sich.»

Ausserdem sei die Intensität beim Velofahren höher als zu Fuss. Insgesamt stellte man bei den Velofahrern jedoch auch eine bessere Fitness fest.

Die Studie hat Daten von 264 337 Teilnehmern der UK Biobank analysiert. Die Biobank ist eine Datenbank mit verschiedenem biologischem Material und Krankenakten von internationalen Spendern. Die Teilnehmer wurden über ihr übliches Transportmittel für den Arbeitsweg ausgefragt und dann fünf Jahre lang untersucht. Fälle von Krebs, Herzkrankheiten und vorzeitigen Toden in dieser Fünfjahresperiode wurden entsprechend mit der Art des Arbeitsweges verglichen. Dabei stellten die Wissenschafter fest, dass bei Velofahrern viel weniger Fälle vorzufinden waren.

Die britischen Forscher hoffen, dass ihre Ergebnisse die Politik beeinflussen könnten, neue Wege und Anreize für das Fahrradfahren zu schaffen. Dadurch werde die öffentliche Gesundheit verbessert. Beispielsweise könnte mit neuen Velowegen, Ausleihen, mehr Veloplätzen im öV und anderen Projekten das gesunde Transportmittel gefördert werden.

Gesundheit wichtigster Aspekt

In der Schweiz ist ein solches Projekt derzeit in Bearbeitung. Pro Velo reichte letztes Jahr die Velo-Initiative beim Bundesrat ein. Die Volksinitiative will das Velofahren in der Schweiz fördern. Daher wollen die Initianten neben Fuss- und Wanderwegen auch Velowege in der Bundesverfassung verankern. Für Daniel Bachofner, Projektleiter der Velo-Initiative, kommt eine solche Studie gelegen: «Gesundheit ist das wichtigste Argument für uns. Solche Studien verstärken dieses noch mehr.» Man wisse ohnehin, dass Velofahren kostengünstig und umweltfreundlich sei.

Für Herr und Frau Schweizer sind das insgesamt gute Nachrichten. Die Schweiz gehört zu den Ländern mit der höchsten Velodichte. Rund 300 000 neue Velos werden gemäss der Statistik vom Verband Velosuisse jährlich verkauft. Mit dem Velo legt der durchschnittliche Schweizer laut dem Bundesamt für Statistik jährlich rund 300 Kilometer zurück. Für Velosuisse gibt es da noch Luft nach oben.