Ein grosses Ziel der Pharmakologie ist es, die Effizienz von Wirkstoffen zu steigern und ihre Nebenwirkungen auf ein Minimum zu reduzieren. Ein Weg dorthin ist, Synergien zwischen Medikamenten auszunutzen: Wenn sie auf verschiedene biologische Prozesse wirken, die aber miteinander wechselwirken, muss man an den einzelnen Stellen weniger stark eingreifen, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.

Die Forschenden um Paul Dyson und Ursula Röthlisberger von der ETH Lausanne (EPFL) haben gemeinsam mit dem Team um Curtis Davey von der Nanyang Technological University (NTU) in Singapur genau solche Synergien erforscht, um Krebs zu bekämpfen. Das teilte die EPFL am Donnerstag mit.

Dabei ging es um einen Anti-Krebs-Wirkstoff namens RAPTA-T, der Ruthenium enthält und Tumor- und Metastasenwachstum stoppt, und um das Gold-haltige Medikament Auranofin (Handelsname Ridaura) gegen Symptome der rheumatischen Arthritis.

Positive "Nebenwirkung"

Vor Kurzem wurde entdeckt, dass Auranofin ausserdem auch gegen Krebszellen wirkt. Grund dafür ist eine - in diesem Fall positive - Nebenwirkung: Wirkstoffe binden oft nicht nur an der geplanten Stelle eines Zielmoleküls, sondern können auch an anderer Stelle andocken und einen Effekt haben, entweder auf dem gleichen Molekül oder an einem anderen. So auch im Fall von Auranofin. Ohne RAPTA-T ist diese Anti-Krebs-"Nebenwirkung" von Auranofin allerdings schwach.

In ihrer Studie, die nun im Fachblatt "Nature Communications" erscheint, entdeckten die Forschenden, dass die Kombination von Auranofin mit RAPTA-T Krebszellen effizienter abtöten konnte also jeder der Wirkstoffe für sich allein. Das erklären die Forschenden so: Beide Substanzen stören die ordentlich verpackte Struktur des Erbguts in der Zelle und helfen einander, dies noch effizienter zu tun.

Insbesondere Auranofin hat alleine ein viel schwächeres "Störpotenzial" und kann sich dank RAPTA-T besser in die Verpackung des Erbguts in der Zelle einmischen. Da Krebszellen einen stark beschleunigten Stoffwechsel haben und sich schneller teilen als gesunde Zellen, laufen sie dank der Störung durch die Substanzen in unlösbare Probleme und sterben ab.