Gesundheit

Hoffnung im Kampf gegen die heimtückische Krankheit: Neuer Test soll Alzheimer früher anzeigen können

Damit man überhaupt eine Chance hat, eine Therapie gegen Alzheimer zu entwickeln, muss er früher diagnostiziert werden können. (Symbolbild)

Damit man überhaupt eine Chance hat, eine Therapie gegen Alzheimer zu entwickeln, muss er früher diagnostiziert werden können. (Symbolbild)

Forscher haben einen Weg gefunden, mit dem sich in einigen Jahren ein Bluttest entwickeln lässt, der Alzheimer zuverlässig diagnostiziert.

Ein neuer Test will früher und zuverlässiger vorhersagen, ob jemand an der Alzheimer-Krankheit leidet. Das Perfide an dieser Art der Demenz, des Verlusts der geistigen Fähigkeiten und des Erinnerns, die in eine völlige Unfähigkeit münden, den Alltag zu bewältigen, ist, dass die Verheerungen und Zerstörungen im Gehirn bereits weit fortgeschritten sind, bevor die Symptome auftreten. Man kann erst eine Diagnose machen, wenn es schon zu spät ist. So wundert es nicht, dass es noch keine medikamentöse Therapie gibt gegen die Alzheimer-Krankheit.

Ein neuer Test will früher und zuverlässiger vorhersagen, ob jemand an der Alzheimer Krankheit leidet. Das Perfide an dieser Art der Demenz, des Verlusts der geistigen Fähigkeiten und des Erinnerns, die in eine völlige Unfähigkeit münden, den Alltag zu bewältigen, ist, dass die Verheerungen und Zerstörungen im Gehirn bereits Jahre vor dem Auftreten der Symptome beginnen. Man kann erst eine Diagnose machen, wenn es schon sehr spät ist. So wundert es nicht, dass es noch keine medikamentöse Therapie gibt gegen die Alzheimer Krankheit.

Damit man überhaupt eine Chance hat, eine Therapie gegen Alzheimer zu entwickeln, spielt der Test eine wichtige Rolle. Bis jetzt stützt sich die Diagnose auf Untersuchungen, mit denen man versucht, kognitive Symptome zu erfassen. Auch wenn man eindeutige geistige Defizite feststellen kann, ist es trotzdem nicht immer sicher, ob es sich wirklich um Alzheimer oder nicht um eine andere Form der Demenz handelt.

Hilfreich, aber auch aufwändiger sind nuklearmedizinische Untersuchungen wie PET (Positronen-Emissions-Tomographie) oder andere bild­gebende Computer-Diagnosen. Sie sind teuer und stehen auch nicht immer zur Verfügung.

«Wenn man gut zugängliche Körperflüssigkeiten untersuchen kann (z.B. Blut oder Urin), wird es sehr viel einfacher und auch günstiger», sagt Prof. Dr. med. Thomas Leyhe, Chefarzt Alterspsychiatrie Universitäre Altersmedizin Felix Platter und Ärztlicher Leiter Zentrum für Alterspsychiatrie, Universitäre Psychiatrische Kliniken, Basel.

Der Test nutzt eine Immunreaktion

Der Test stützt sich auf einen sogenannten Bio-Marker im Blut. Typisch für Alzheimer sind die Amyloidplaques, die aus verklumpten Proteinbestandteilen bestehen und sich im Gehirn zwischen den Neuronen ablagern. Zusätzlich tritt in den Zellen ein pathologisches Tau-Protein auf. Tau-Proteine sorgen für Stabilität in den Zellen. Bei Alzheimer kommt es zu einer übermässigen Anlagerung von Phosphorgruppen an das Tau-Protein. Das führt dazu, dass dieses veränderte Protein die Nervenzelle schädigt.

Der Test basiert auf einer Antigen-/Antikörperreaktion. Er weist im Blut das veränderte Tau-Protein durch Anlagerung von einem extra dafür entwickelten Antikörper nach. Personen mit Alzheimer weisen eine sieben Mal höhere Konzentration dieses Tau-Proteins (p-tau217) auf als Gesunde oder Menschen mit anderen krankhaften Veränderungen im ­Gehirn.

In drei unabhängigen Gruppen, welche die Studie untersuchte, erwies sich der Bluttest als mindestens gleich zuverlässig wie die anderen üblichen, aufwändigeren Verfahren. «Ich ziehe den Hut vor den Forschern, die diesen Test entwickelten», sagt Thomas Leyhe. «Es geht da um sehr niedrige Konzentrationen und der Test ist sehr empfindlich.»

Ohne Diagnose lässt sich keine Therapie entwickeln

Es ist erst ein Test, keine Behandlung. Aber ohne eine zuverlässige Diagnose lässt sich auch keine Therapie oder medikamentöse Behandlung entwickeln. Der Test muss zwar noch für den klinischen Gebrauch weiterentwickelt werden, scheint aber Alzheimer früh und zuverlässig anzuzeigen. Er ist gleichzeitig günstig und leicht anzuwenden, man kann  daher von einem Durchbruch sprechen.

Weil die Konzentration von p-tau271 bei fortschreitender Krankheit zunimmt, lässt sich mit dem Test allenfalls auch die Wirksamkeit eines Medikaments messen.

«Die Forschung hat die Alzheimer-Krankheit bis jetzt noch nicht ganz verstanden», sagt Leyhe. Der Test könnte einen Fortschritt bringen. Gleichzeitig wirft es moralische und ethische Probleme auf, wenn man eine Krankheit vor Auftreten von Symptomen diagnostizieren, aber keine Behandlung anbieten kann. Was soll ein Arzt seinem Patienten sagen, wenn er einen positiven Befund verkündigen muss? Bei anderen Erkrankungen, die man heute vor dem Auftreten von Symptomen diagnostizieren kann, gibt es Behandlungsmöglichkeiten. Wenn der Blutzuckerspiegel nicht stimmt und gesündere Lebensführung und Diät nicht ausreichen, gibt es gut wirksame Medikamente. Bei der Diagnose «Alzheimer» fehlen die noch. Aber das soll nicht so bleiben.

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