Filme
Kinder sehen Mord und Totschlag viel häufiger als Erwachsene

In Zeichentrickfilmen wird deutlich häufiger gestorben als in Filmen für Erwachsene. Besonders oft erwischt es die Hauptfiguren der bunten Kinderstreifen. Das besagt eine aktuelle Studie.

Irene Widmer
Drucken
Teilen
Schneewittchen lebt gefährlich.

Schneewittchen lebt gefährlich.

Disney

«In keiner anderen Erzählgattung wird so viel geköpft, zerhackt, gehängt, verbrannt oder ertränkt wie im Märchen», heisst es in der Enzyklopädie des Märchens. Wohl wahr. Gewalt und Grausamkeiten gehören dazu wie das «Es war einmal» am Anfang einer jeden Geschichte. Aber nehmen Kinder diese Brutalitäten auch als brutal wahr? Nein, sagen Erzählforscher – ganz im Gegensatz zu den besorgten Eltern. Kinder würden vieles nicht als grausam erachten. Sie würden unterbewusst «verstehen», dass die Todesbedrohung des Helden zum Entwicklungsweg gehört. Für sie sei es etwa selbstverständlich, dass der Märchenheld den Drachen erschlägt.

Brutales Kinderkino

Ein Forscherteam hat nun die Darstellung von Tod in Kinderfilmen mit Erwachsenenfilmen verglichen. Ihr Fazit: In Zeichentrickfilmen für Kinder wird deutlich häufiger gestorben als in Filmen für Erwachsene. Der Tod der Hauptfigur ist in den Trickfilmen sogar mehr als doppelt so wahrscheinlich. Diese Ergebnisse veröffentlichten sie am Dienstag im «British Medical Journal».

Nach der Studie sterben die Hauptfiguren in den bunten Kinderfilmen zweieinhalbmal so häufig wie in Erwachsenenfilmen und werden dabei dreimal so häufig ermordet, nicht selten auf brutale Art und Weise. «Anstatt harmlosere und sanftere Alternativen zu den typischen Horrorfilmen und Dramen darzustellen, sind Zeichentrickfilme sogar eine Brutstätte von Mord und Totschlag», schlossen die Autoren der Studie, Ian Colman und James Kirkbride.

Sie untersuchten für ihre Arbeit einige der erfolgreichsten Trickfilme aus mehreren Jahrzehnten, darunter «Schneewittchen und die sieben Zwerge» von 1937 als auch den jüngsten Disney-Hit «Die Eiskönigin» von 2013. Dabei konnten sie nicht feststellen, dass Kinderfilme seit den 30er-Jahren gewaltsamer geworden sind. Die Autoren verglichen dafür die Darstellung von Tod in Kinderfilmen mit den beiden erfolgreichsten Erwachsenenfilmen aus demselben Jahr, wobei sie speziell auf minderjähriges Publikum abzielende Action- und Abenteuerfilme nicht in ihre Analyse aufnahmen.

Schiessen und erstechen

So fanden sie heraus, dass die Eltern der Hauptfiguren in Filmen für Kinder fünfmal öfter sterben als in Filmen, die eher für Erwachsene gedacht sind. In zwei Dritteln aller Trickfilme sterbe eine wichtige Figur, während dies nur bei der Hälfte der Erwachsenenfilme der Fall sei.

Beliebte Todesarten in den Trickfilmen waren laut der Studie Erschiessen wie in «Bambi», «Pocahontas» oder «Peter Pan», Erstechen in «Arielle, die Meerjungfrau» und «Dornröschen» sowie Tierangriffe wie in «Findet Nemo» oder «Tarzan».

Aktuelle Nachrichten