«Auf ein Wort»-Kolumne
Guet punde isch halb gfaare

In seiner aktuellen Kolumne erklärt unser Mundartexperte Niklaus Bigler, was ein «Fueder» ist.

Niklaus Bigler
Niklaus Bigler
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zvg

Fueder (althochdeutsch fuodar) bedeutet ,Wagen­ladung‘. In vielen Gegenden war es auch ein Hohlmass, zum Beispiel in Norddeutschland für Getreide, im Süden für Wein. Ein badisches Fueder umfasste 1500 Liter Wein, entsprach also einem zweispännigen mit Fässern beladenen Wagen. Die Holzer machten ihre Holzfueder, die Bauern ihre Mist-, Höi- und Gaarbefueder. Wurde das Getreide schon auf dem Acker gedroschen, so entstand aus den gepressten Strohballen – in schweisstreibender Handarbeit – ein Straufueder. Das Bruutfueder (oder der Bruuttrossel) bestand aus dem Hausrat, den der Bräutigam im Elternhaus der Braut abholte; das Wort bezeichnete dann an vielen Orten generell die Mitgift.

In meiner Kindheit lud man die Höifueder von Hand, ohne Laadewaage. Es war wichtig, dass so ein Fueder gut aussah; es sollte auch bei den Nachbarn e rächti Gattig mache. Die Hauptverantwortung trug der Laader; er nahm auf dem Wagen die einzelnen Gablete entgegen und schichtete sie auf. Hatte dann die Ladung den oberen Rand der Wagenleiter erreicht, kam der Bindbaum darüber. Vorne war er in der Leiter eingehängt, hinten wurde das Höiseili in der Mitte (mit dem Bindbaumlätsch) befestigt. Die beiden Seilenden wurden dann um die Holzwelle am Wagen gewickelt; wenn man zu zweit mit je einem Wälle­chnebel die Welle drehte, war das Seil gespannt und der Bindbaum fixiert. Vor der Abfahrt kratzte man seitlich mit der Gabel sogar noch die losen Heubüschel weg; nicht einmal ein Coiffeur hätte exakter arbeiten können. Nur wenn ein Gewitter drohte, fuhr man auch einmal unpunde vom Feld. Aber joo nid öppen uusleere underwägs, susch gits es Lumpefueder!

Niklaus Bigler war Redaktor beim Schweizerdeutschen Wörterbuch (idiotikon.ch).

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