Glosse
Erst Zigaretten, nun Energydrinks: Bald dürfen nur noch bestimmte Eltern Windeln kaufen

Vergangene Woche wurde bekannt, dass Aldi schweizweit keine Zigaretten mehr verkauft an unter 18-Jährige. Kurz darauf verkündigte Spar, unter 14-Jährige erhielten bei ihnen keine Energydrinks mehr. Was folgt als nächstes? Laktosefreie Milch, Diätjoghurt und Windeln.

Marlen Hämmerli
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Jugendliche erhalten in gewissen Läden weder Zigaretten noch Energydrinks. (Bild: Donato Caspari)

Jugendliche erhalten in gewissen Läden weder Zigaretten noch Energydrinks. (Bild: Donato Caspari)

Diese Woche war einschneidend für Minderjährige. Keine Energydrinks mehr für unter 14-Jährige im Spar, keine Zigaretten mehr für unter 18-Jährige im Aldi. Der Discounter ist Lidl, Denner und Coop gefolgt und hat einen freiwilligen Branchenkodex unterschrieben. Die Detailhändler handeln natürlich völlig uneigennützig, haben sie sich doch der Nachhaltigkeit und dem gesundheitlichen Wohl ihrer Kunden verschrieben.

Weitere Massnahmen zum Schutz von Umwelt und Konsumenten sind geplant. Milch ohne Laktose, Brot ohne Gluten sowie Guetzli ohne Erdnüsse erhält bald nur noch, wer an der Kasse ein entsprechendes Arztrezept vorweist. (Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.)

Wer ein Diät­joghurt, fettreduzierten Camembert oder zuckerarme Gummibärchen kaufen will, muss erst auf die Waage. Diabetiker, die zuckerarme Schokolade kaufen wollen, werden gezwungen, sich als Beweis, den Blutzucker messen zu lassen. Kunden, die den dafür nötigen Piks in den Finger nicht mit ansehen können, erhalten Schlafmasken. Gratis. Die Kunden sollen ja nicht vergrault werden.

Auch an die Umwelt wird gedacht: Konsumenten, die Avocados kaufen wollen, müssen erst etliche Fragen zu deren Herkunft und Wasserverbrauch beantworten.

Der Einkauf wird zum Kreuzverhör, die Kunden entblösst. Ein Spektakel.Gaffer stürmen die Läden. Geschäftsführer reiben sich die Hände und gehen noch einen Schritt weiter. Windeln erhalten nur noch Mütter und Väter, die an der Kasse beweisen, dass ihr Kind noch welche benötigt. Wie genau, bleibt den Eltern überlassen. Noch weiter wollen die Detailhändler doch nicht in die Privatsphäre eingreifen.

Damit Gaffer das Geschehen bequem verfolgen können, stellen die Läden Kinosessel auf. In den Kinos werden sie schliesslich nicht mehr benötigt. Es gibt ein «Gafferbuffet» mit Popcorn und Chips à discrétion. Natürlich unverpackt, getreu dem Versprechen, den Plastikverbrauch zu reduzieren. Für ein besseres «Gaffererlebnis» werden die Kassen neu beschriftet. Statt Nummern steht da nun «Arztserie» oder «Quiz», je nachdem, welchem Genre die Szenen am meisten ähneln.

Über die Entwicklung freuen sich auch Polizei und Feuerwehr, da Gaffer nun nicht mehr an Unfallstellen und neben brennenden Häusern ihrem Hobby frönen. Taucht doch noch ein Gaffer auf, wird er gebeten, einkaufen zu gehen.