Elf Tage Zeit hat die Weltgemeinschaft, um über die internationalen Standards beim Schutz wichtiger Tier- und Pflanzenarten zu beraten. Die Verhandlungen an der grössten Artenschutzkonferenz Cites (Convention on International Trade in Endangered Species) laufen seit letztem Samstag. Ausser Nordkorea, Turkmenistan, Westsahara, Haiti und Osttimor sind fast alle Staaten der Erde vertreten. Obwohl alle Teilnehmer grundsätzlich für den Schutz von seltenen Tieren und Pflanzen sind, herrscht an der Zusammenkunft keineswegs Einigkeit.

Jeder fünfte der insgesamt 55 Anträge will eine Lockerung der Schutzbedingungen von einzelnen Tierarten erreichen, die restlichen wollen das Gegenteil. Dies führt zu offenem Widerspruch: So fordern einige westafrikanische Staaten, dass der Handel mit wilden Elefanten komplett verboten wird. Botswana, Namibia und Simbabwe setzten sich dagegen für eine Lockerung der momentanen Bestimmungen ein. Denn die Anzahl frei lebenden Elefanten in ihrem Gebiet hat sich in den letzten Jahren wieder erhöht, und für die drei Länder sind die Tiere eine natürliche Ressource, mit der sie Geld verdienen und ihre Bevölkerung ernähren können.

Alle Vorschläge, die in Genf diskutiert werden. Für europäische und nordamerikanische Arten sind keine Schutzanträge eingereicht worden. Grafik: Selina Buess

Alle Vorschläge, die in Genf diskutiert werden. Für europäische und nordamerikanische Arten sind keine Schutzanträge eingereicht worden. Grafik: Selina Buess

Einigung auf strengere Schutzbestimmungen scheint möglich

Nach dem bisherigen Verlauf sieht es so aus, als könnten sich jene Staaten durchsetzen, die den Artenschutz ausbauen wollen. Die Delegierten der vorberatenden Kommission haben sich bei der Elefantenfrage mit einer Zweidrittelmehrheit für strengere Regeln ausgesprochen. Endgültig entscheiden wird aber erst die vereinigte Nationen versammlung in der Schlusssitzung am nächsten Mittwoch. Globale Tierschützer beurteilten den Vorentscheid schon als grossen Schritt in die richtige Richtung.

Das nicht ohne Grund: Cites-Beschlüsse haben häufig einen grösseren Einfluss auf den Fortbestand einer Art als beispielsweise Rote Listen, die in den meisten Staaten nur wissenschaftliche Gutachten sind und keine rechtliche Wirkung haben. Denn die an der Konferenz ausgehandelten Bestimmungen können Wilderei direkt verhindern, indem sie den Handel mit gefährdeten Arten international verbieten. Die von der Cites am strengsten geschützten Arten dürfen auch für wissenschaftliche Zwecke nur unter strengen Auflagen genutzt werden.

Diese Massnahmen konnten in der Vergangenheit schon einiges bewirken, wie das Beispiel der Wale zeigt. Im letzten Jahrhundert schrumpften viele Bestände wegen übermässiger Bejagung, einige Arten waren gar vom Aussterben bedroht. Seitdem die Cites in den 70er-Jahren aber einen Handelsstopp beschloss, konnten sich die Meeressäuger erholen. Dank den Cites-Bestimmungen werden neben Walen auch etwa 5000 andere Tier- und 30000 Pflanzenarten geschützt.

Mehr als eine Million Arten gelten laut der Roten Liste der Weltnaturschutzorganisation IUCN als vom Aussterben bedroht. Bild: Shutterstock

Mehr als eine Million Arten gelten laut der Roten Liste der Weltnaturschutzorganisation IUCN als vom Aussterben bedroht. Bild: Shutterstock