Kolumne

«Auf ein Wort»-Kolumne: Helgen – heilige Bilder

Mundartexperte: Niklaus Bigler. Bild: CH Media

Mundartexperte: Niklaus Bigler. Bild: CH Media

Die Mundartkolumne diesmal zu einem Wort, dessen ursprüngliche Bedeutung kaum mehr jemand kennt.

Sprachlich ist es ganz einfach: Helge ist eine alte schweizerdeutsche Form für Heiliger. Noch um 1800 sagte man von einem Scheinheiligen: Er ist wääger kei Helgli, wen er scho eso tuet. In der Innerschweiz standen Helgestöckli, Helgehüüsli, Stelen oder Häuslein mit einem gemalten oder geschnitzten Andachtsbild. An Wallfahrtsorten wurden kleine Heiligenbilder als Andenken an die Pilgerreise verkauft oder als Mitbringsel für Angehörige, und so übertrug sich der Wortsinn vom Heiligen auf dessen Abbild.

Beliebt waren die Helgeli, welche die Kapuziner bei sich hatten und verteilten. Mit der Zeit wurden alle Bilder Helge genannt, zum Beispiel die von den Kindern geschätzten bunten Bilderbogen.

Ein Bilderbuch hiess in vielen Kantonen Helgebuech. Weitere Zusammensetzungen sind Monetshelge (Monatsbild) im Kalender, Taufhelge (vom Paten geschenktes Blatt zur Erinnerung an die Taufe) und die Leidhelgeli (kleine Porträts von Verstorbenen mit deren Lebensdaten). Es können auch grosse Bilder als Helgen gelten, vor allem die Schautafeln, welche als Illustration an der Basler Fasnacht (Schnitzelbangghelge) zum Einsatz kommen.

In gewissen Zusammenhängen klingt das Wort herablassend: Als im Herbst 1967 in Basel ein Referendum gegen den Ankauf zweier Bilder von Pablo Picasso zustande kam, argumentierte der Initiant, der Staat brauche die Millionen «für wichtigere Dinge als diese Helgen». Sie wurden schliesslich doch gekauft.

Übrigens gehören auch die aus dem Nordischen übernommenen Vornamen Helga bzw. Helge (m.) sprachlich hierher; es sind eigentlich Heilige.

Meistgesehen

Artboard 1