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Bra, bra, brrrra! Drei Wein-Tipps für Capital Bra

Ein Wein für Capital Bra Wie wärs mit einem vom rappenden Winzer aus Stuttgart

Ein Wein für Capital Bra Wie wärs mit einem vom rappenden Winzer aus Stuttgart

Tannine sind das Testosteron des Weins. Je jünger, desto ruppiger. Wenn der Berliner Strassenrapper Capital Bra ein Wein wäre, dann ein junger, wilder roter. Einer mit rabiaten Tanninen, die im Abgang nicht samtweich schnurren, sondern knurren wie ein Strassenköter: Rrra, rrra, rrra. Ein Geräusch aus dem Rap-Vokabular von Capital Bra.

Der 24-Jährige ist zurzeit Deutschlands erfolgreichster Rapper. Er bricht Streaming-Rekorde und ballert Nummer-1-Hits im Wochentakt raus. Der Reiz seiner Musik besteht aus dem Mix aggressiver Beats (sie werden immer poppiger) und einer unterkühlten Outlaw-Attitüde. Lyrisch wäre dieser Wein kein Meisterwerk.

Die Verkostungsnotiz eines Capital-Bra-Textes könnte so ausfallen: Starker Gucci-Gestank, daneben der Benzingeruch teurer Autos und Noten von Name-Dropping wie Neymar oder Benzema. Auch ein Hauch von Schweizer Luxusuhren ist auszumachen, umgeben vom Dunst illegaler Rauschmittel.

Ob Capital Bra Wein mag? Als Parvenü, der gerne Geld für Statussymbole ausgibt, sollte er offen sein für gewisse Crus. Als Strassensommelier würde ich ihm einen Sassicaia aus der Toskana empfehlen, einer der bekanntesten Weine überhaupt. Auf dem Etikett prangt, gut sichtbar, ein grosser goldener Stern auf blauem Grund. Perfekt also, um damit anzugeben.

Der Sassicaia hat die Weinwelt in den 1970er-Jahren etwa so aufgemischt wie Capital Bra heute die deutsche Musiklandschaft. Damals war es ungeheuerlich, dass in der Toskana plötzlich aus den Bordeaux-Sorten Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc ein Spitzenwein von Weltformat gekeltert wird. Die Power dieses «Super-Toskaners» passt zu den bissigeren Capital-Tracks, während seine samtige Seite gut mit den Pop-Songs des Berliners harmoniert.

Nach diesem Sureshot würde ich den Pet Nat der Bielersee-Winzerin Anne-Claire Schott aufreissen. Nicht nur, weil der Schaumwein so krass nach Rhabarber schmeckt, sondern auch, um dem Kapitän zu zeigen, dass sein Frauenbild noch sehr ausbaufähig ist. Es gibt nicht nur Nutten und Prinzessinnen.

Oder ich würde ihm einen «Pulvermächer»-Riesling verticken. Gekeltert von Moritz Haidle, dem rappenden Winzer aus Stuttgart. Astreiner Stoff mit frischer Zitrusaromatik und feiner weisser Würze, die beweist, dass weisser Wein die bessere Wahl ist als weisses Pulver. Und dazu gibt’s etwas «Tilidin» auf die Ohren.

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