Lockerung

Die Zoos öffnen wieder – und in Zürich weht der heisse Wind durch die neue Lewa Savanne

Die Schweizer Zoos und Tierpärke machen ihre Türen nach der dreimonatigen Coronasperre wieder auf. Hier erfahren Sie, was wo gilt. Mit besonders ehrgeizigen Plänen wartet der Zürcher Zoo auf, wo am Samstag eine spektakuläre, 57 Millionen Franken teure Lewa-Savanne eröffnet wird.

Die Vogelstrausse flüchten vor den Nashörnern, daneben zupfen die Giraffen Blätter von den Bäumen. Unter grossen Kopje-Felsen zerrt eine Tüpfelhyäne ein Huhn vom Steinbrocken, um es danach genüsslich zu verzerren. Die Sonne brennt heiss, ein warmer Wind weht über die weite Savanne. Was sich wie eine Safari in Afrika anfühlt, ist ab dem Samstag mitten in Zürich zu erleben.

Mit der Wiedereröffnung des Zoos wird auch die 57 Millionen Franken teure Lewa-Savanne fürs Publikum zugänglich. Dieses kleine Stück Kenia ist flächenmässig das grösste Projekt unter den drei Grossanlagen des Zoos, neben der Masoala-Regenwaldhalle und dem Elefantenpark. Auf 5,6 Hektaren Fläche finden hier Breitmaulnashörner, Netzgiraffen, Tüpfelhyänen, Stachelschweine, Säbelantilopen, Vögel und Reptilien ihren Platz.

Eine Tüpfelhyäne gönnt sich einen Snack und Zoo-Direktor Alex Rübel versucht die Graupapageien zu übertönen: Einblicke in die neue Savanne im Zoo Zürich

Eine Tüpfelhyäne gönnt sich einen Snack und Zoo-Direktor Alex Rübel versucht die Graupapageien zu übertönen: Einblicke in die neue Savanne im Zoo Zürich

Die grösste Krise, die der Zoo je erlebt hat

Das Zoo-Jahr hatte überdurchschnittlich gut begonnen mit den milden Monaten Januar und Februar - bis am 13. März abrupt die Läden runtergingen. Statt des erwarteten Rekordjahrs kam es mit Corona zur «grössten Krise, welche der Zoo je erlebt hat», wie Verwaltungsrats-Präsident Martin Naville sagt.

Geschlossen! Jede Woche kostet der Lockdown den Zoo seither eine Million Franken, weil Tiere und Pflanzen auch in der Krise versorgt sein müssen und den Mitarbeitern in Kurzarbeit der Lohnverlust ausgeglichen wird.

Jetzt aber geht es wieder los. Naville sagt, der Zoo sei mit einem blauen Auge davongekommen. Noch müssen Corona-Auflagen erfüllt werden. Der Zoo darf gleichzeitig höchstens 5800 Besucher Eintritt gewähren. Die einzelnen Anlagen dürfen nicht überfüllt werden und in den Häusern gilt Einbahnverkehr, kleine Häuser bleiben geschlossen. Zoo-Direktor Alex Rübel sagt vor dem Eingang zur Lewa-Savanne:

Vor 29 Jahren hat Rübel, der Ende Monat in Pension geht, die Vision einer grossflächigen Savanne in einem Masterplan skizziert. Und nun hat er, wie schon bei den anderen Grossprojekten, diese Idee zusammen mit einem Naturschutzprojekt am Ursprungsort der gezeigten Tiere verwirklicht.

Neue Savannen-Anlage: Der Zürcher Zoo lädt zur Safari

Neue Savannen-Anlage: Der Zürcher Zoo lädt zur Safari

    

Das Lewa Wildlife Conservatory in Kenia zählt zum Weltkulturerbe und beheimatet bedrohte Tierarten wie die Breitmaulnashörner und Grevyzebras, die nun hier in Zürich leben. «Mit diesem Projekt wollen wir diese Tiere in der Wildnis erhalten. Wir finanzieren Löhne der Ranger, welche die Wilderei bekämpfen, unterstützen Schulen und Gesundheitszentren», sagt Rübel. Nur wenn es den Menschen um die Naturschutzgebiete herum gut gehe, würden auch die Tiere geschützt. Die Wilderei von Nashörnern konnte im Lewa-Reservat beinahe auf Null reduziert werden.

In Zürich führt der Weg durch eine beeindruckende Schlucht in die Lewa-Savanne. Davor steht ein riesiger Baobab, das Wahrzeichen des originalen Lewa-Dorfs in Kenia. Die Affenbrotbäume im Zoo sind allerdings nicht aus Holz, sondern aus Beton so wie die ganze Felslandschaft. Mit feinen Netzen, Spritzbeton und naturgetreuer Farbgestaltung wirken nicht nur die Bäume wie echt, sondern auch die Savannen-Landschaft.

Viele Tiere im gleichen Gehege

«Ich stehe in der Savanne und ich sehe kein Haus», hiess das Motto von Alex Rübel. So verschwindet auch die Giraffen- und Nashornanlage im typischen Farbton der afrikanischen Savanne. Diese umfasst eine gesamte Lebensgemeinschaft von Tieren, welche nicht mehr alle - wie in alten Zoos - durch Gehege getrennt sind.

Nashornbaby im Zoo Zürich zur Welt gekommen

Nashornbaby im Zoo Zürich zur Welt gekommen

Am 7. Mai wurde in der neuen Lewa Savanne ein kleines Breitmaulnashorn geboren. Es ist die erste Nashorn-Geburt im Zoo Zürich. Das Nashorn-Mädchen und seine Mutter sind wohlauf.

So grasen Giraffen, die nach 64 Jahren wieder nach Zürich zurück gekommen sind, neben den Säbelantilopen, «welche in der Wildnis ganz ausgerottet worden sind», wie Rübel erklärt. Die jetzt am stärksten bedrohte Art ist das Grevyzebra mit noch rund 2800 wildlebenden Tieren. Aber auch von den 2,3 Tonnen schweren Breitmaulnashörnern gibt es in Afrika nur noch 21000 Exemplare.

Nicht bedroht, aber ebenso interessant sind die Tüpfelhyänen, die nach Tierpflegerin Cordula Galeffi ein unverdient schlechtes Image haben. Sie fressen nicht nur Aas, sondern jagen auch und leben in einer komplexen sozialen Struktur. Genau genommen in einem Matriarchat. Einen Clan von etwa 100 Hyänen führen Weibchen, die zweijährigen Hyänenmännchen müssen den Clan verlassen und sich in einem fremden hochdienen. Die Töchter der Königin werden mit Geburt zu den ranghöchsten Hyänen.

Nur noch Platz für Menschenaffenhaus

So bietet die Lewa-Savanne viel Wissenswertes zu den Wildtieren und ihren Lebensräumen und lässt die Besucher gleichzeitig in Ferienlaune schwelgen. Mit diesem Grossprojekt ist die Fläche des Zoos nun beinahe ausgereizt, einzig für ein Menschenaffenhaus ist noch etwas ausgespart. Doch Verwaltungsratspräsident Naville sagt:

Alte Anlagen müssen ersetzt und gemäss den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen gestaltet werden. Der kommende Direktor werde, wie schon Alex Rübel, wieder einen Masterplan erarbeiten. Und im Gegensatz zum Fussballstadion laufen in Zürich die Millionenschweren Zoobauten ja schlank durch. Der Zoo habe viel Goodwill in der Bevölkerung und in der Politik, sagt Naville. «Und Rübel war ein guter Netzwerker, welcher den Zoo aus dem politischen Umfeld herausgehalten hat.»

Autor

Bruno Knellwolf

Meistgesehen

Artboard 1