Malerei

Eine Stadt liebt Picasso: Noch heute finden sich Werke des Künstlers überall in Malaga

Picasso malte auch die traditionellen Ruderboote. Bild: FB

Picasso malte auch die traditionellen Ruderboote. Bild: FB

Wer sich auf die Spuren des Malers begibt, findet in seiner Geburtsstadt Málaga Bilder, die er bereits als 13-Jähriger gemalt hat.

Picasso war Spanier, und die Kultur seines Landes war sein Leben lang in seine Werke eingeflossen. Zahllos sind die Stiere, Stierkämpfe oder Gitarren in seinen Gemälden, und nicht zuletzt sind die Einflüsse der alten spanischen Meister El Greco, Zurbarán und Velázquez auf sein Schaffen kaum zu überschätzen.

Doch Picasso war nicht Katalane, auch wenn er sich von Barcelona aus zum Künstler mauserte. Seine ersten zehn Lebensjahre verbrachte er in Málaga. Pablo Picassos Vater war dort Maler, Lehrer und Konservator eines lokalen Museums.

200 Bilder aus der privaten Sammlung der Familie

Als junger Künstler zog es Picasso nach Paris, und neben künstlerischen waren es später auch politische Gründe, warum er einen Bogen um sein Geburtsland machte. Picasso erlebte das Ende des Franco-Regimes nicht mehr. Obwohl er nach 1900 nie mehr in Málaga war, soll er stets wohlwollend von der Stadt seiner Kinderjahre gesprochen und sich ausdrücklich gewünscht haben, dass ihm dort dereinst ein Museum gewidmet werde.

Erst 30 Jahre nach seinem Tod sollte er es bekommen. Natürlich braucht man dort nicht seine Hauptwerke zu suchen, die in Barcelona und Paris hängen, wo es schon seit Jahrzehnten Picasso-Museen gibt. Das Picasso-Museum in Málaga entstand auf Initiative seiner Schwiegertochter Christine Ruiz-Picasso und ihrem Sohn Bernard, die rund 200 Werke aus ihren privaten Sammlungen gespendet oder geliehen hatten.

Daraus liess sich eine Ausstellung machen, die einen guten Überblick über alle Schaffensperioden des Malers gibt. Sie beginnt mit einem Porträt seiner Schwester «Lola». So beachtlich es für einen 13-Jährigen ist: Mit Picasso würde man das kleine Bild der etwas düster vor sich hinblickenden jungen Dame im Kopftuch noch nicht verbinden, das er mit «P. Ruiz» signierte.

Ein Frauenkopf des 25-Jährigen verweist dagegen gleich auf mehrere Aspekte aus Picassos bekanntem Werk. In blassen Rosatönen blickt die junge Dame den Betrachter an, wobei eines der Mandelaugen leicht abdriftet. Die Nase ist ein vollendetes Kippbild, das sowohl als Frontal- wie als Seitenansicht betrachtet werden kann. Kleiner als ein A4-Blatt, verweist das Bild zurück auf die rosa Phase, vorwärts auf die maskenhaften Demoiselles von Avignon und auf Picassos darauffolgende Hinwendung zum Kubismus.

Picassos Bilder sind überall als Souvenirs erhältlich.

Picassos Bilder sind überall als Souvenirs erhältlich.

Das Picasso-Museum von Málaga besitzt eine feine und überraschende Sammlung, die Picassos bekanntes Werk mit Vor- und Zwischenstufen, Skizzen und Jugendwerken ergänzt und näherbringt. Neben Skulpturen gibt es ein Kuriosum: einen Stierkopf aus Fahrradsattel und -lenker.

Der Besuch des Museums führt automatisch mitten in das geschichtsträchtige Stadtzentrum vom Málaga. Das Museum selbst ist ein typisch andalusisches Bauwerk, ein Renaissance-Anwesen mit Wohnturm, geprägt von der maurischen Architektur. Es steht mitten im jüdischen Viertel. Gleich nebenan liegt das römische Amphitheater.

In der Taufkirche von Pablo Picasso

Nur ein Steinwurf ist es zur prunkvollen, aber unvollendeten Kathedrale oder auch zur Pfarrkirche zu Santiago. In dieser herrlich kitschigen Barockkirche, die sich hinter einer unscheinbaren Backsteinfassade versteckt, wurde der Maler auf eine lange Reihe von Vornamen getauft, von denen Pablo nur der erste ist.

Nicht mehr als ein kleiner Spaziergang ist es auch zu Picassos Geburtshaus, einem herrschaftlichen Wohnblock an der Plaza de la Merced. Hier sind einige künstlerische und biografische Indizien versammelt, die auf Picassos Verbundenheit mit Málaga verweisen.

Neben Fotografien von Málagas Stierkampfarena und einem Flamenco tanzenden Picasso gibt es etwa ein Aquarell von Picasso von einem Schiffsuntergang, den er als Bub in Málaga beobachtet hatte, sowie Zeichnungen der traditionellen malagenischen Ruderboote – exakt solche, die auch heute noch an den Stränden liegen: mit aufgemalten blauen Augen am Bug.

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