Coronavirus

Gefährlicher als die Grippe, aber weniger gefährlich als im Frühjahr

Während der ersten Welle verliefen Coronainfektionen häufiger tödlich als heute.

Während der ersten Welle verliefen Coronainfektionen häufiger tödlich als heute.

Obwohl die Sterblichkeit sinkt, könnte die zweite Welle schlimmer als die erste werden. Absurd? Nein – wir klären den scheinbaren Widerspruch auf.

Um die Gefährlichkeit des neuen Coronavirus abzuschätzen, wird oft von der Mortalität gesprochen. Der Begriff wird aber für zwei verschiedene Grössen verwendet. Das eine ist die Fallmortalität. Sie sagt aus, welcher Anteil der Infizierten stirbt. In einer vor zwei Wochen publizierten Übersichtsstudie fand der US-amerikanische Epidemiologe John Ioannidis Werte zwischen 0,00 und 1,63 Prozent. Letzteres bedeutet, dass in der entsprechenden Region jede sechzigste infizierte Person starb. Die Unterschiede erklären sich teilweise damit, dass in manchen Studien mehr jüngere, in anderen dagegen mehr ältere Personen erfasst sind.

Neunmal höheres Sterberisiko

Laut Matthias Bopp vom Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention der Universität Zürich sind solche Zahlen mit grossen Unsicherheiten behaftet. Klar ist aber für die Schweiz: Für Covid-19-Patienten in der ersten Welle war das Risiko, in den nächsten Wochen zu sterben, mindestens neunmal höher als für gleichaltrige Personen ohne Covid-19. Und für Männer war dieses zusätzliche Risiko nochmals gut 20 Prozent höher als für Frauen.

Die Fallmortalität ist derzeit aber tiefer als in der ersten Welle. Es stecken sich weniger alte Menschen an und die Behandlungen setzen früher ein.

Trotzdem warnte der ehemalige Task-Force-Präsident Matthias Egger gestern in einem Tweet: Die zweite Welle könnte schlimmer als die erste werden.

Egger argumentiert nicht mit der Fallmortalität, sondern mit der Gesamtmortalität – den wöchentlichen Todesfällen pro Million Menschen. Die Gesamtmortalität hatte im Frühjahr in vielen Ländern rapid zugenommen, bis die Massnahmen der Lockdowns zu wirken begannen.

Hier kann ein Vergleich mit der Grippe gezogen werden. Auf den ersten Blick sieht die Todesfallstatistik ähnlich aus wie in einem Grippejahr. Aber die Zahlen zeigen, dass ohne Lockdown im Frühling ein weiterer Anstieg mit sehr viel mehr Toten zu erwarten gewesen wäre. Matthias Bopp sagt:

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