Reisen

Hier logierte früher der englische Adel: Jetzt ist das Gebäude auf dem Aletsch ein Umwelt-Bildungszentrum

Das Umweltbildungszentrum Aletsch.

Das Umweltbildungszentrum Aletsch.

Einst hat hier Churchill ein Buch geschrieben: Nun kann man im historischen Gebäude auf 2000 Metern über Meer allerhand über die Natur lernen.

Nein, beschwerlich ist der Weg hinauf zum Umweltbildungszentrum Aletsch nicht. Von der Seilbahnstation auf der autofreien Riederalp aus erreicht man den stattlichen Riegelbau mit funkelndem Kupferdach in knapp dreissig Minuten. Der Pfad ist von Schafgarben und Weidenröschen gesäumt. Oben angekommen, verzieht sich die Sonne hinter den Wolken.

Zurückgezogen hat sich in den letzten hundert Jahren auch der Grosse Aletschgletscher: Man kann ihn von hier aus nicht mehr sehen. Wer den grössten Eisstrom der Alpen bewundern will, muss heute rund dreissig Minuten weiter wandern.

Die Erderhitzung respektive der Kampf dagegen ist neu denn auch zum dominierenden Thema des Umweltbildungszen­trums Aletsch geworden. So hat die Umweltorganisation Pro Natura das 1976 erworbene historische Gebäude im letzten Jahr renoviert und eine Wärmepumpe eingebaut. Es ist nun CO2-­neutral, wird aber nur von Juni bis Oktober betrieben.

Zudem ist im Untergeschoss neu eine kleine, aber feine Dauerausstellung zum Thema «Gletscherschwund – Klimawandel – Energiewende» zu besichtigen. Höhepunkt ist ein Modell des Aletschgletschers und ein «Rad der Zeit», an dem man drehen kann: Wenn der Mensch das Klima nicht besser schützt, könnte der Gletscher schon bis Ende Jahrhundert fast komplett abgeschmolzen sein, lautet das Fazit.

Zentrumsleiter Laudo Albrecht sagt:

Auch der einfache Restaurationsbetrieb erfreue sich seit der Wiedereröffnung Ende Juni grosser Beliebtheit. Das Haus verfügt über ein paar einfache, aber schmucke Gästezimmer (Doppelzimmer für 85 Franken pro Person), welche zum Teil noch über Messingbetten und anderes Originalmobiliar aufweisen.

Gebaut worden war es um das Jahr 1900 als mondäne Sommerresidenz des englischen Bankiers Sir Ernest Cassel.

Sir Ernest Cassel

Sir Ernest Cassel

Er wurde kurz darauf privater Finanzberater des englischen Königs. Cassel liess sich durch starke Männer von Mörel im Rhonetal unten eigens ein Klavier in seine Residenz auf die knapp 2000 Meter über Meer heraufschleppen – das nannte man damals Luxus. 16 Mann waren damit während zweier Tage in Schichten à vier Mann beschäftigt, wie Laudo Albrecht erläutert. Das Klavier ist noch heute im Speisesaal zu bewundern.

Cassel beherbergte Anfang des letzten Jahrhunderts eine Schar illustrer Gäste bei sich, so etwa auch den späteren britischen Premierminister Winston Churchill.

Exkursionen zu den Hirschen

Die Suite, in der Churchill einst ein Buch über seinen Vater geschrieben hat, gehört heute zu den schönsten Zimmern im Bildungszentrum Aletsch. Neben dem historischen Geist, welcher durch die Renovation bewahrt wurde, lohnt sich ein Besuch wegen der Exkursionen.

Empfehlenswert ist zum Beispiel eine geführte Tour in den nahen Aletschwald, der seit knapp neunzig Jahren ein Schutzreservat ist. Tannenhäher, die schwarzen Vögel mit den lustigen weissen Punkten, kann man dort fast mit Garantie beobachten. Ebenfalls sehr zahlreich, wenn auch äussert scheu, sind die Rothirsche. Ab September gibt es deshalb spezielle Wildbeobachtungstouren, welche früh am Morgen starten.

Ein Alpengarten, in dem etwa der purpurfarbene Enzian zu bestaunen, und die aromatisch riechende Moschus-Schafgarbe zu beschnuppern sind, rundet das Angebot ab.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1