Heute gehört das Superiorhotel in den Bündner Bergen zu den wenigen, wo nicht nur das Fest, sondern auch die standesamtliche Trauung durchgeführt werden kann. Janine Ryser ist seit rund einem Jahr als Hochzeitsplanerin im Waldhaus Flims angestellt. Wir haben sie zum Gespräch getroffen.

Frau Ryser, Sie sagen, heiraten im Hotel liegt im Trend.

Janine Ryser: Ja, man könnte sogar von einem Boom reden. Die Zahlen – zumindest jene im Waldhaus Flims – sprechen für sich: Im vergangenen Jahr verzeichneten wir 14 Trauungen, für 2019 sind bereits 25 geplant – und das Jahr hat ja erst begonnen. Ich rechne mit vielen weiteren Anfragen. Und auch für 2020 sind bereits drei Hochzeiten in Planung.

Für den Trend spricht auch, dass immer mehr Hotels in der Schweiz sich auf Hochzeitsfeiern und Trauungen spezialisieren. Woran liegt das?

Ich beobachte schon seit einigen Jahren, dass sogenannte grosse Hochzeitsfeste wieder aufkommen. Also eine Feier mit vielen Gästen in riesigen, schönen Sälen, vorzugsweise solchen im Belle-Époque-Stil. Die findet man aber in der Schweiz nicht gerade in jedem Dorf. Altehrwürdige Hotels jedoch verfügen meistens über solche Räumlichkeiten. Zudem ist das Ambiente auf dem Standesamt nicht sehr feierlich; in Zürich zum Beispiel gleicht das mittlerweile einer Massenabfertigung, 12 Minuten stehen für eine Trauung zur Verfügung. Bei uns kann man sich eine halbe Stunde oder mehr Zeit nehmen, die Zeremonie mit Musik untermalen und vielem mehr.

Grosse Feiern bedeuten einen hohen Organisationsaufwand. Davor scheuen sich doch viele?

Ja, und deshalb gibt es auch immer mehr Wedding-Planer in der Schweiz. Die Nachfrage dafür ist definitiv da, die Leute suchen explizit nach Profis. Das Brautpaar will geniessen, zurücklehnen. Und sich nicht um Details kümmern müssen. Auch das Bequeme spielt eine grosse Rolle, deshalb haben wir so viele Anfragen für Hochzeiten im Waldhaus Flims.

Weshalb?

Na, weil alles an einem Ort stattfinden kann. Die Braut wird im Hotel zurechtgemacht, Coiffeur und Visagistin kommen ins Hotelzimmer, da entfällt bei der Vorbereitung das mühsame Herumeilen von Termin zu Termin. An einem einzigen Tag kann man sich hier trauen, feiern, und danach sind es für das Brautpaar und seine Gäste nur ein paar wenige Schritte ins Zimmer.

Das hat sicher seinen Preis. Wie hoch sind die durchschnittlichen Ausgaben für eine Trauung im Waldhaus Flims?

Das ist schwer zu beziffern, weil viele Feste individuell gestaltet werden. Aber wir bieten auch attraktive Packages an. So kam etwa unser Winter-Package an der Hochzeitsmesse in Zürich am vergangenen Wochenende sehr gut bei den Besuchern an. Hier startet der Preis bei 229 Franken pro Person, der bei einer Gästeanzahl über 90 gilt.

Ihr Job als Wedding-Planerin ist es, die Wünsche des Brautpaars und seiner Gäste zu erfüllen. Beobachten Sie da auch eine gewisse Tendenz? Wie heiraten wir heute? Pompös oder eher schlicht?

Einerseits legt man wieder sehr Wert aufs Traditionelle, andererseits ist Individualität gefragt, Trauung und Feier mit ganz persönlichem Touch. Da ist es eben hilfreich, wenn man einen Wedding-Planer zur Seite hat. Schlichtheit wird auch hochgehalten. Also keine pompösen Dekorationen, sondern viel eher zurückhaltend-geschmackvoll. Aber es kommt natürlich immer drauf an, woher das Brautpaar kommt.

Erhalten Sie viele Anfragen aus dem Ausland?

Sie häufen sich, ja. Den Grossteil machen noch Schweizer aus, aber wir verzeichnen auch solche aus Deutschland oder gar Hongkong. Und in diesem Jahr organisiere ich zum Beispiel eine Feier für ein Brautpaar mit afghanischen Wurzeln. Das ist mit reichlich Pomp verbunden, eine Bühne gehört zum Fest . Hier präsentiert sich das Brautpaar. Da ist man ziemlich ausgestellt – zur Schweizer Tradition gehört das nicht.

Und welche Trends beobachten Sie bei den Hochzeitskleidern?

Zwei Extreme (lacht): Einerseits sehe ich viele Kleider im Retro-Stil mit viel Spitze, gerne auch hochgeschlossen und mit einem Schleier. Andererseits sind 3-D-Hochzeitskleider stark im Kommen.

Noch nie gehört. Wie muss ich mir das vorstellen?

Meistens handelt es sich um aufgestickte Blumen oder Schmetterlinge auf transparentem Stoff. Das führt dann zu dieser 3-D-Optik. Wunderschön!