Liebe

«Ich will nicht immer nur Kuschelsex»: Was sich Paare nicht zu sagen wagen

Pornokonsum ist vor allem bei jungen Paaren ein Tabuthema

Pornokonsum ist vor allem bei jungen Paaren ein Tabuthema

Paare teilen vieles – sagen sich aber längst nicht alles: Über Sex, Geld und die Figur des anderen wird in Beziehungen gerne geschwiegen.

In jeder Beziehungen gibt es heikle Themen, die man lieber nicht anspricht, Fragen, die man sich auch nach zwanzig Jahren nicht zu fragen traut. Da summiert sich so einiges – zumindest wenn man einer aktuellen Studie der Online-Partneragentur Parship glauben schenken will.

Vor allem beim Thema Sex sind die befragten Männer scheu. 17 Prozent wagen es nicht, ihrer Partnerin gegenüber den Wunsch zu äussern: «Ich will nicht immer nur Kuschelsex, sondern Abwechslung im Bett haben». Bei den Frauen sind es lediglich 6 Prozent, die sich mit diesem Problem konfrontiert sehen. Auffallend: Die Altersgruppen 30-39 und 50-59 verschweigen den Wunsch nach mehr Abwechslung im Bett überdurchschnittlich oft (14 Prozent die anderen Alterskategorien zwischen 10 und 11 Prozent).

Über 50-Jährige haben weniger Hemmungen über ihren Pornokonsum zu sprechen

Auch das Thema Pornokonsum beschäftigt Schweizer Männer stark: 14 Prozent verschweigen ihren Partnerinnen, dass sie Pornos oder erotische Filme konsumieren. Bei den Frauen beträgt dieser Wert 4 Prozent. Interessant, dass die unter 50-Jährigen mehr Hemmungen haben über ihren Pornokonsum zu sprechen als die über 50-Jährigen.

Sexual- und Psychotherapeutin Dania Schiftan

Sexual- und Psychotherapeutin Dania Schiftan

Für die Zürcher Sexual- und Psychotherapeutin Dania Schiftan sind diese Ergebnisse keine Überraschung: «Typischerweise tun sich oft Frauen mit dem Thema Pornokonsum beim eigenen Partner schwer. Weil sie das Gefühl haben, zu den Darstellerinnen in Konkurrenz zu stehen. Dabei zeigt meine Erfahrung, dass Männer das überhaupt nicht so empfinden, da diese ihren Pornokonsum vollkommen vom Sex mit der Partnerin trennen und Pornos einfach als weitere Komponente ihres Sexuallebens betrachten. Daher wäre es wünschenswert, dass Frauen und Männer viel offener darüber sprechen könnten.»

Jeder Zehnte zweifelt an seiner aktuellen Beziehung

Dass hingegen gut 10 Prozent der Männer ihrer aktuellen Partnerin nicht erzählen mögen, dass sie sich nicht vorstellen können, bis zum Lebensende nur noch mit ihr Sex zu haben, ist nachvollziehbar. Birgt diese Aussage doch einiges an Konfliktpotenzial. Und sie passt zum Ergebnis, dass jeder Zehnte Befragte daran zweifelt, ob er oder sie mit dem richtigen Partner zusammen ist. Interessanterweise eine der wenigen Fragestellungen die mehr Frauen (11 Prozent) als Männer (7 Prozent) bejahten. Und je jünger die Befragten, umso grösser die Zweifel an der bestehenden Beziehung.

«Schatz, ich finde dich zu dick»

Heikel wird es mit der Wahrheit auch wenn es um die Körperfülle des Partners geht. Den Satz «Schatz, ich finde dich zu dick» verkneifen sich mit 8 Prozent gleich viele Männer wie Frauen. Ganz generell werden Paare mit zunehmender Alter gesprächiger und ehrlicher. Bei den über 60-Jährigen gaben 65 Prozent an, dass es nichts gebe, was sie sich nicht zu sagen getrauten. Bei den unter 30-Jährigen war es nur weniger als die Hälfte, die keine Frage-Tabus kennen.

Dazu Parship-Psychologin Dania Schiftan: «Heikle Themen können natürlich verletzend sein. Daher rate ich, zuerst mit sich selber ins Reine zu kommen und herauszufinden, ob ein Thema wirklich stört oder primär ein eigenes Problem ist. Also eines, das mit dem Partner, der Partnerin vielleicht gar nicht soviel zu tun hat.» Wenn man sich im Klaren darüber sei und zum Schluss kommt, darüber sprechen zu wollen, mache es Sinn, das Gespräch anzukündigen und darauf hinzuweisen, dass es kein leichtes werde. So kann sich das Gegenüber wappnen. (kaf)

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