Die Vereinigten Staaten verbindet man nicht nur mit Trump und Coca-Cola, sondern auch mit BBQ und Hamburgern. Die Amis lieben ihr Steak und sind deshalb auch unter den Top 5 Ländern mit dem höchsten Fleischkonsum. Im Jahr werden pro Person circa 115 Kg Fleisch verzehrt.

Bei aktuell 332.8 Millionen Einwohnern macht das insgesamt mehr als 38 Milliarden Kilogramm Fleisch aus. Eine Menge Tiere, die ihr Leben lassen müssen. Es ist wohl klar, dass der Grossteil dieser Tiere nicht das glücklichste und artgerechteste Leben führt.

Die Massentierhaltung, ihrerseits der wichtigste Fleischproduzent, ist verantwortlich für Unmengen an Tiermist, der entsorgt werden muss und oft Wasser- und Luftverschmutzung mit sich zieht. Zudem werden übermässig oft Antibiotika eingesetzt, um Seuchen und Krankheiten zu verhindern.

Das Leid der Tiere und die Umweltbelastung sind oftmals die Hauptgründe vieler Menschen für die Umstellung auf eine vegetarische oder vegane Ernährung.

So sieht Hühnchen-Massentierhaltung aus (Archivbild).

So sieht Hühnchen-Massentierhaltung aus (Archivbild).

Die grossen Fleischproduzenten müssen sich dem steigenden Druck der Bevölkerung für bessere Bedingungen stellen und versprechen, zu handeln. Einigen geht die Entwicklung hin zur Nachhaltigkeit und zum ethisch Vertretbaren aber zu langsam – sie handeln selbst.

Entstehung einer Bewegung

Das «ethical-butcher-movement» besteht aus Metzgereien, die Fleisch von Tieren anbieten, die auf Wiesen und Weiden gezüchtet werden. Das Wohlbefinden der Tiere, der Umweltschutz und eine weniger verschwenderische Volltiermetzgerei stehen im Vordergrund.

Ins Rollen brachte die Bewegung ein Buch des Journalisten Michael Pollan aus dem Jahr 2006 mit dem Titel «Das Omnivoren-Dilemma». Er widmete sich der Thematik der Zustände der Rinder-Massentierhaltung. Er stellte sich folgender Herausforderung: Schafft er es, ein Tier zu töten?

© CH Media

Pollan ist folgender Meinung: Ein Fleischesser sollte im Stande sein, einmal in seinem Leben die Verantwortung über den Tod eines Tieres – von dem sein Essen abhängt – zu übernehmen.

Verantwortung übernehmen

Die 30-jährige Kate Kavanaugh ist Teil dieser Metzger-Bewegung. In Denver führt die junge Frau eine Metzgerei. «Ich tue das grundsätzlich, um die konventionelle Fleischindustrie auf den Kopf zu stellen», sagt sie gegenüber der NY Times. Bevor sie Metzgerin wurde, war Kavanaugh Vegetarierin, aus Tierliebe und wegen der Umwelt.

Obwohl sie eine Metzgerei besitzt und führt, ernährt sich Kavanaugh hauptsächlich vegetarisch. Das ist Teil der Idee der Nachhaltigkeit, die als ethischer Metzger verfolgt wird.

Einschneidendes Erlebnis

Die Metzgerei «The Meat Hook» in Brooklyn führt Janice Schindler, 28. Fünf Jahre lang war sie Veganerin. Der Wendepunkt kam an einem sehr speziellen Event im November: an einem «Kill Your Own Thanksgiving Dinner», das auf einem örtlichen Bauernhof stattfand.

Schindler war die einzige Person an diesem Event, niemand sonst meldete sich an. Sie erzählt: «Ich hatte noch nie zuvor etwas getötet. Truthähne sind so große Tiere. Aber wenn man sie verkehrt herum in einen Geflügelkegel steckt, entspannen sie sich völlig. Dann kannst du eine Arterie durchtrennen. [...] ich fand es faszinierend.»

Dieses Erlebnis bewegte die ehemalige Veganerin zur Metzger-Ausbildung.

Idee der Symbiose

Das Bewirtschaftungssystem, das die meisten ethischen Metzger nutzen, ist quasi eine Symbiose aus Tier und Natur. Die Weidetiere sind Teil der Nachhaltigkeit des Systems: Ihr Dung wird genutzt, um die Gräser wachsen zu lassen. Spezielle Hufe an den Füssen der Tiere bearbeiten den Boden und ermöglichen das Durchsickern von Regenwasser. Die grossen Gründflächen, die entstehen, sollen mehr CO2 aufnehmen können, als von den Tieren freigesetzt wird.

Anya Fernald, Mitgründerin der Belcampo Meat Company in Kalifornien, bringt die Philosophie der Bewegung auf den Punkt:

Die heute 44-Jährige ernährte sich eine lange Zeit vegetarisch. Als sie in Europa auf einem Hof arbeitete, fing sie wieder an, Fleisch zu essen. Ihr Gesundheitszustand verbesserte sich, wie sie selbst sagt. Wichtig: Sie ass ausschliesslich Fleisch von den gesunden, von Gras ernährten Tieren des Hofs, auf dem sie arbeitete.

So sieht es auf de Belcampo-Farm aus:

Gesunde Tiere – gesünderes Fleisch

Laut dieser Studie ist Fleisch von Tieren, die sich überwiegend von Gräsern ernährten, für den Menschen gesünder als Fleisch von Tieren, die mit Soya oder Mais gefüttert werden. Das Fleisch enthält beispielsweise mehr Omega-3 Fettsäuren – eine wichtige ungesättigte Säure, die wir nur via Nahrung aufnehmen können und zum Leben brauchen. Zudem sind die Tiere generell gesünder und brauchen nur im Notfall Antibiotika.

Fleisch von gesunden Tieren ist automatisch gesünder für den Menschen – und schmeckt auch noch besser.

Umgang mit Kritik

Der Besitzer der «Standing's Butchery» in Los Angeles – Jered Standing – arbeitete in der Fleischabteilung in einem grossen Supermarkt. Was er dort sah, bewog ihn dazu, Vegetarier zu werden. Nachdem er «The Omnivore's Dilemma» gelesen hatte, entschloss er sich, den ethischen Metzgereien eine Chance zu geben. Er arbeitete unter anderem bei Anya Fernald in der «Belcampo Meat Company», bevor er sich selbstständig machte.

Er sei nicht einverstanden mit der derzeitigen Fleischindustrie und wolle nicht nur dasitzen und zuschauen, sondern einen Gegentrend starten – und die Leute aufklären. Sein Unternehmen baue auf dem Gedanken auf, dass er traurig über die Art und Weise ist, wie Tiere behandelt werden.

Nichtsdestotrotz wurde er bereits mehrfach in den sozialen Medien oder sogar bei Protesten vor seinem Geschäft mit giftigen Kommentaren beleidigt. So erging es auch anderen «ethical butchers». Lauren Garaventa wurde im Internet bereits aufs Übelste beleidigt.

Die Metzgerin und Tierrechts-Aktivistin sagt in diesem Zusammenhang: «Es gibt ein grösseres Problem: Das Problem mit eingeengten Futterplätzen und damit, dass Tiere zu Commodities werden. Das ist es, was wir angreifen sollten, nicht einander.»

Schlussendlich geht es darum, gegen etwas zu kämpfen, was offensichtlich schief läuft. Jeder kann oder sollte es seinen Möglichkeiten entsprechend tun: weniger Fleisch, gar kein Fleisch beziehungsweise keine Tierprodukte – oder als ethischer Metzger, um ein Exempel zu statuieren.