Fremdgehen

Lizenz zum Trennen: Diese Agentin bringt Frauen zum Schlussmachen

Statt einsame Herzen zusammen zu bringen, werden Liebende auseinandergetrieben. (Symbolbild)

Statt einsame Herzen zusammen zu bringen, werden Liebende auseinandergetrieben. (Symbolbild)

In China können sich betrogene Ehefrauen an spezielle Agentinnen wenden, welche die Nebenbuhlerin des untreuen Gatten dazu bewegen die Affäre zu beenden.

Eigentlich hatte Xia Li bei der Partnervermittlung Baihe angeheuert, um einsame Herzen zusammenzubringen. Doch nun macht die 44-Jährige bei Chinas grösster Online-Partnerbörse genau das Gegenteil: Sie treibt Liebende auseinander. Bis zu umgerechnet 50 000 Euro sind die zumeist weiblichen Auftraggeber bereit zu zahlen, wenn sie den Dienst in Anspruch nehmen.

Xia Li macht im Auftrag von geprellten Ehefrauen Jagd auf Nebenbuhlerinnen des Gatten. Wobei Xia Li die Bezeichnung «Jagd» nicht mag. Vielmehr würde sie diese Mätressen aufsuchen und auf freundliche Art versuchen, sie davon zu überzeugen, sich von dem verheirateten Mann zu trennen. «Wir bringen den Leuten emotionale Verantwortung bei und wie man einen Menschen wirklich liebt», sagt Xia Li. «Wir verhindern Scheidungen.»

Die Ehefrauen schämen sich

Bekämpfe deinen Feind nicht mit Wut und Hass, sondern versuche ihn zur freiwilligen Aufgabe zu bewegen. Diesem Motto hat sich Xia Li verschrieben. Sie berichtet von einer Klientin, deren Fall exemplarisch sei. Über mehrere Jahre hatte der Ehemann die Frau betrogen. Doch ansprechen wollte sie ihn darauf nicht. «Sie schämte sich», berichtet Xia Li. Die Frau sah es als ihr eigenes Versagen an, dass ihr Gatte fremdgeht.

Aussereheliche Affären sind in China vor allem unter reichen und mächtigen Männern weit verbreitet. Einige wohlhabende Ehemänner leisten sich sogar sogenannte «Xiaosan». Dabei handelt es sich um Zweitfrauen, denen sie oft den ganzen Lebensunterhalt bezahlen. Nicht selten haben diese Frauen auch Kinder von den Ehebrechern. Aus einer Studie der Volksuniversität Peking aus dem Jahr 2012 geht hervor, dass rund 95 Prozent der Parteimitglieder mindestens eine Mätresse hielten.

Wenn die Ehefrauen vom Zweitleben ihrer Gatten erfahren, fühlen sie sich diesem Betrug oft hilflos ausgesetzt. Zwar ist in kaum einem anderen Land die Scheidungsquote so sehr in die Höhe geschnellt wie in China. 10 000 Ehen gehen im Reich der Mitte täglich zu Bruch. Das ist eine höhere Quote als in Europa. Doch viele Ehefrauen scheuen eine Auseinandersetzung mit ihrem Gatten. Ihre Angst vor dem gesellschaftlichen und finanziellen Abstieg sitzt tief. Eine geschiedene Frau, die älter als 35 Jahre alt ist, gilt in China als schwer vermittelbar. Lieber ertragen sie die Affären ihrer Ehemänner, als den Bruch zu wagen.

Die Firma Baihe, für die Li Xia arbeitet, ist keineswegs das erste Unternehmen, das im Aufspüren von Mätressen ein lukratives Geschäftsmodell entdeckt hat. Die Agentur Weiqing hat sich bereits seit 2001 darauf spezialisiert, Mätressen davon zu überzeugen, ihre Affären zu beenden. 300 Agentinnen sind für Weiqin im ganzen Land im Einsatz. Die meisten von ihnen sind Psychologinnen, Juristinnen oder selbst ehemalige Betroffene. Sie geben sich gegenüber den Mätressen als Nachbarinnen aus, Haushaltshilfen oder Babysitterinnen und versuchen, Vertrauen zu gewinnen. Auch als Wahrsagerin habe sich eine der Agentinnen schon ausgegeben, wird Weiqing-Gründer Shu Xin in chinesischen Medien zitiert. Ihm zufolge rettet seine Agentur jedes Jahr auf diese Weise 5000 Ehen.

Geld-zurück-Garantie

Agentin Xia Li berichtet, bis zu zwei Monate könne ein Fall schon dauern. Sie müsse die Mätressen erst einmal ausfindig machen. Dann würde sie sich über deren Lebensstil kundig machen, das soziale Umfeld erschliessen – um dann schliesslich Freundschaft zu knüpfen. Das kostet Zeit. Daher auch die hohen Preise. Erst wenn sicher ist, dass die Nebenbuhlerin sich auch wirklich nicht mehr mit dem Gatten trifft, sei die Mission beendet. Gelingt Xia Li das nicht, muss sie das Geld an die Auftraggeberin zurückzahlen.

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