Kolumne

Mein Freund will Silvester ohne mich verbringen, soll ich mich jetzt trennen?

«Er fährt Silvester nach Prag. Ohne mich!» Wie steht es um die Beziehung, wenn man Silvester nicht als Paar verbringt?

«Er fährt Silvester nach Prag. Ohne mich!» Wie steht es um die Beziehung, wenn man Silvester nicht als Paar verbringt?

In ihrer Kolumne «Liebes Leben, wir müssen reden» schreibt Social-Media-Redaktorin Maria Brehmer über alles, was das Leben schöner macht – und manchmal auch schwieriger. Heute: Warum ich Männer, die Silvester lieber mit ihren Kumpels feiern, bevorzuge.

Meine Kollegin war verzweifelt. «Er fährt Silvester nach Prag. Ohne mich!» Ob er sie überhaupt lieben würde, wollte sie von mir wissen. Und ob sie sich von ihm trennen solle, jetzt, wo klar sei, dass er seine Zeit lieber mit anderen verbringe.

Silvester zu zweit – oder Krise

Es gibt Dinge, die tut man nun mal als Paar: Man sitzt am Sonntagabend gemeinsam vor dem Fernseher, man fährt gemeinsam in die Ferien, und, ganz wichtig, man feiert gemeinsam Silvester. Ich bin mir sicher, die Silvester-gemeinsam-oder-allein-Frage ist die entscheidende Beziehungsfrage. Gerade bei frisch Verliebten sorgt sie für Unsicherheit.

Es ist doch so, dass, spätestens, wenn man sich für ein Silvester zu zweit entscheidet, man ein Paar, also so richtig zusammen ist. Umgekehrt gilt aber: Verbringt man Silvester nicht mit seiner Liebsten, seinem Liebsten, ist man entweder (noch) nicht richtig zusammen, oder es kriselt in der Beziehung.

Zwei Kategorien von Männern

Diese Annahme ist falsch, das zeigt jedenfalls meine Beziehungsgeschichte. Ich mache mir nicht sonderlich viel aus Silvester, doch Silvester war – wie wohl in allen Beziehungen dieser Welt – immer ein Thema. Dabei kann ich die Männer, mit denen ich je die letzte Nacht des Jahres planen musste, in zwei Kategorien einteilen: Die Männer der ersten Kategorie wollen an Silvester etwas Besonderes erleben – und zwar zu zweit. Sie schleppen einen mit an Mottopartys oder in spektakulär gelegene Berghütten, oder, noch schlimmer, für einen Kurztrip in eine touristenüberfüllte Stadt.

Die Männer der zweiten Kategorie bevorzugen ein Silvester ohne ihre Freundin. Sie feiern mit Freunden, trinken viel und ja, flirten vielleicht auch mit anderen. Dass ich Männer der zweiten Kategorie bevorzuge, hat gute Gründe.

Vor ein paar Jahren war ich mit einem Mann über Silvester in New York. Er war grosszügig und schenkte mir die kurze Reise über Weihnachten. Klingt aufregend, war es aber nicht. Schon meine Vorfreude war getrübt, ich wusste, dass um diese Jahreszeit Hunderttausende Menschen nach New York fahren (um etwa zu sehen, wie der berühmte Times Square Ball zu Mitternacht ein paar Meter in die Tiefe fällt).

Menschenmassen sind nicht mein Ding, und die Vorstellung, mich kurz vor 12 auf der Strasse um ein Cüpli prügeln zu müssen, fand ich wenig prickelnd. Tatsächlich fanden wir an Silvester kein einziges Restaurant, das noch freie Plätze hatte. Ich hatte Hunger, wurde unausstehlich, und noch vor Mitternacht waren wir zurück im Hotel (wo wir uns den Fall des Times Square Ball im TV anschauten).

Gerissener Rock, Mitternacht mit dem Ex

Ein andermal ging ich mit einem Mann an eine Party, für die wir Wochen vorher Tickets gekauft hatten. Ich möbelte mich silvesterartig auf und trug Highheels und einen viel zu engen Rock. Es regnete Schnee und war glatt und kalt. Auf dem Weg zur Party landete ich mit meinem Hintern in einer Pfütze, und als ob das nicht genug gewesen wäre, riss noch der Rock. Mein damaliger Freund wollte trotz meiner schlechten Laune zur Party, wo ich schliesslich um Mitternacht mit meinem Ex-Freund anstiess (einem der zweiten Kategorie).

Kurz: Wenn ich Silvester irgendwo mit meinem Partner unterwegs war, ging es irgendwie schief.

Was also antwortete ich meiner Kollegin, deren Freund Silvester lieber mit seinen Freunden als mit ihr nach Prag fährt? Dass es für eine Trennung keinen Grund gebe. Dass es weder kriselt in ihrer Beziehung noch er sie nicht mehr lieben würde. Und dass sie seine Weisheit, als Paar an Silvester nichts erzwingen zu wollen, schätzen solle.

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