Wintersportgebiet

«Nahverkehr»-Rubrik: Dieses charmante und stille Bergdorf überrascht mit seiner Vielseitigkeit

Auf den Ski geht’s hinunter nach Tschiertschen.

Auf den Ski geht’s hinunter nach Tschiertschen.

Im Bündner Dorf Tschiertschen versteckt sich eine der ältesten Kirchen des Kanton Graubünden. Neben dem Dorfeingang findet sich auch ein lokales Skigebiet.

Der Wegweiser hat auf der Fahrt in die Skiferien auf der Lenzerheide stets gelockt: Passugg-Tschiertschen. In der dritten scharfen Kurve nach Chur biegt man ab. Die Nebeltage im Unterland waren Grund genug: auf nach Tschiertschen! Das Dorf, seit 2009 vereint mit Praden, liegt im Schatten der Wintersportgebiete Arosa und Lenzerheide auf der linken Talseite des Schanfigg auf 1350 Meter Höhe. Wer die kurvenreiche Strasse nicht selbst fahren will, nimmt in Chur das Postauto und geniesst die abwechslungsreiche Fahrt, zuerst bei Passugg hinunter in die Rabiusaschlucht, dann hinauf nach Tschiertschen, das sich an den Hang schmiegt.

Am Dorfeingang gibt es einen Parkplatz, von dem aus ein Bus die Skifahrer zur Talstation des kleinen lokalen Skigebiets bringt. Hier beginnt unser Spaziergang. Nach wenigen Schritten ist man im malerischen Dorfkern mit der schlichten kleinen Kirche. Auffallend sind die gepflegten alten Holzhäuser, die teils auf das 17. und 18. Jahrhundert zurückgehen. Im 19. Jahrhundert baute der Zimmermann Johannes Niggli aus dem benachbarten Molinis zahlreiche Häuser in der traditionellen Blockhaus-Bauweise der Walser.

Die kamen im 16. Jahrhundert ins Tal und brachten die deutsche Sprache mit. Viele Häuser schmückt ein Spruch; das Lesen braucht Geduld. Ein Beispiel von 1828:

Die dunklen Holzbauten prägen – in schönem Kontrast mit dem Schnee – das weitgehend intakte, warm wirkende Ortsbild. Es ist ruhig, weil es kaum Verkehr gibt. Herrlich.

Es ist auch eine kleine Wanderung geplant. Als «gemütliche Winterwanderung» wird auf der Website von Tschiertschen die Füxli-Runde empfohlen, ein fünf Kilometer langer Rundweg mit etwas über 200 Meter Auf- und Abstieg. Tönt gut. Die Wanderung führt über wild-romantische Bergbäche und eröffnet immer wieder einen neuen Blick auf Tschiertschen. Leider ist ein Teil des Wegs nicht winterwandertauglich hergerichtet, sodass der Rückweg entlang eines pittoresken Bachtobels zu einer schweisstreibenden Parforce-Tour wird, über einen Schneetrampelpfad mit vielen vereisten Stellen. Wir lehren daraus: Künftig sich im Voraus nach den Wegverhältnissen zu erkundigen.

Zurück im Dorf entschädigt der Aussichtspunkt Büel für die Strapazen. Man hat einen weiten, prächtigen Blick ins Schanfigg. Die letzten Sonnenstrahlen tauchen die gegenüberliegende Talseite in ein warmes Licht – in den Bergen ein wunderbarer Moment.

Auf der Heimreise empfiehlt sich ein Halt im Dorfteil Praden. Wie das Kirchlein in Tschiertschen, wo eine Toggenburger Hausorgel von 1820 steht, beherbergt auch jenes von Praden ein musikhistorisches Schmuckstück. Die hübsche Hausorgel von 1636 mit einer spannenden Geschichte gilt als die älteste in einer Kirche Graubündens.

© CH Media

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