Statistik

Onlinehandel, Corona-Tests und Twint-Zahlungen: Die Auswirkungen des Corona-Virus in sieben Zahlen

Auf manche Branchen hat die momentane Situation auch eine positive Auswirkung.

Auf manche Branchen hat die momentane Situation auch eine positive Auswirkung.

Die Auswirkungen der Corona-Krise haben wohl die meisten schon zu spüren bekommen. Nicht immer muss das negativ sein: So verzeichnet etwa der Online-Handel einen enormen Zuwachs. Wir haben einige exemplarische Zahlen herausgesucht.

Flugbewegungen: Es wird noch mehr geflogen als an Weihnachten

Die Seite Flightradar24.com, die Flugbewegungen dokumentiert, hat am 17. März 148'330 Flüge verzeichnet. Das sei der erste Tag seit dem 3. März 2019, seit es weniger als 150'000 Flüge sind, schreiben die Betreiber in einem Tweet. Ausser an Weihnachten, wenn mehrere Fluggesellschaften und Flughäfen schliessen. Zum Vergleich: Am 25. Dezember 2019 waren es 120'212 Flüge. Allerdings ist anzunehmen dass die Flugbewegungen in den kommenden Wochen noch sinken werden, in einem «normalen »Jahr wäre die Kurve am Steigen (siehe Grafik).

Die folgende Grafik zeigt den 7-Tage-Durchschnitt seit Mai 2016, die verschiedenen Farben stehen für unterschiedliche Jahre. Dunkelblau ist das aktuelle Jahr.

© CH Media

Spanien ist schlimmer dran als Italien

Vergleicht man die Zunahme der Corona-Fälle seit dem Tag, an dem in einem Land der 100. Fall bestätigt wurde, ergibt sich folgendes Bild:

Hier fallen gleich mehrere Linienverläufe ins Auge. Zunächst lässt sich festhalten, dass Spanien Italien in der Entwicklung überholt hat. Die exponentielle Zunahme der Fälle verläuft in Spanien schneller als bei unserem südlichen Nachbarn. Das wirkt sich negativ auf das Gesundheitswesen aus: Je schneller die Fallzahlen steigen, desto früher gelangen Spitäler und Gesundheitspersonal an ihre Kapazitätsgrenzen. Spanien verhängte angesichts der Lage am vergangenenen Wochenende einen zweiwöchigen Alarmzustand. Nur Wege zur Arbeit und für wirklich notwendige Besorgungen sind den Bürgern erlaubt.

Ins Auge stechen auch die flachen Kurven von Südkorea und Japan. So ähnlich die Entwicklung, so unterschiedlich handhaben die zwei Länder die Corona-Krise. Das zeigt die nachfolgende Tabelle: Südkorea hat bisher massiv mehr Menschen auf Covid-19 getestet als Japan: 295'647 versus 10'205 – und das, obwohl Japan mehr als doppelt so viele Einwohner hat. Wer mehr testet, der kann Infizierte frühzeitig isolieren und so weitere Ansteckungen vermeiden.

Obwohl die Schweiz im internationalen Vergleich nicht schlecht dasteht, fordert der ETH-Virologe Marcel Salathé eine Ausweitung der Corona-Tests: «Mir fehlt eine Strategie, die Leute wirklich auf das Virus zu testen. Man muss jetzt testen, testen testen!», sagte er am Montag zu «10vor10». Alle Länder, die bislang die Infektionskurve runtergekriegt hätten, hätten entweder einen totalen Lockdown mit Ausgangssperre verhängt oder massiv getestet. Japan fällt nicht in diese Kategorie. Wegen der geringen Testzahlen dürfte die Dunkelziffer sehr hoch sein. Wie stark das Virus in dem Land verbreitet ist, ist deshalb nicht bekannt.

Eat.ch rechnet mit weiterer Zunahme

Im Restaurant kann man nicht mehr essen gehen, aber die Lieferdienste verzeichnen einen regen Zuwachs. Séverine Götz, Mediensprecherin von eat.ch, sagt zu den aktuellen Zahlen: «Wir sehen eine gute und stabile Nachfrage und gehen auch weiterhin von dieser aus. Aktuell verzeichnen wir 30% mehr Besuche auf unserer Website und App und rechnen damit, dass die Nachfrage steigen wird.» Zudem habe man auf Seite der Restaurants 50% mehr Anfragen von Betrieben, die mit eat.ch zusammenarbeiten wollten.

Für Pizzakurriere ist die Situation eine Herausforderung. Patrick Bircher, CEO der Dieci AG, erklärt die Lage im Video:

Ein Ansturm wie an Weihnachten

Ob Schuhe, Bücher oder Handys: Wegen des Lockdowns ist Onlineshopping für viele Leute der einzige Weg, um an bestimmte Waren zu kommen. Das spürt auch Digitec-Galaxus: Die Firma sucht 200 neue Mitarbeiter, um den Ansturm zu bewältigen.

«Die genaue Anzahl Bestellungen nennen wir nicht», erklärt Mediensprecher Alex Hämmerli, nennt aber einen Vergleich: «Die Nachfrage unserer Kunden ist momentan so hoch wie sonst kurz vor Weihnachten.»

Wegen dem Ansturm auf den Onlineshop sei man aktuell mehrere Zehntausend Bestellungen im Verzug. «Es dauert momentan zwei bis drei Tage länger, bis die Bestellungen bei unseren Kunden ankommen.»

Noch grösser sind die Auswirkungen auf den Online-Riesen Amazone: Dieser hat angekündigt, dass alleine in den USA 100'000 zusätzliche Mitarbeitende eingestellt werden.

Die Tagesschau-Hauptausgabe um 19.30 Uhr hatte im vergangenen Jahr im Durchschnitt 589'000 Zuschauer. In Corona-Zeiten schalten deutlich mehr Menschen ein, wie die Publikumszahlen des Schweizer Fernsehens zeigen. Die Ausgabe am Sonntag erreichte 1'469'000 Menschen.

Noch kein Kind unter 10 Jahren an Corona gestorben

Es gibt keine Studien, die beim neuen Coronavirus ein erhöhtes Übertragungsrisiko durch Kinder nachweisen. Zudem: Kein Kind unter zehn Jahren ist an Covid-19 gestorben. Bei den Infizierten im Alter von 10 bis 19 beträgt die Sterberate 0,2 Prozent, bei den über 80-Jährigen 15 Prozent.

© CH Media

Welche Rolle spielen Kinder bei der Verbreitung des neuen Coronavirus? Den ganzen Artikel lesen Sie hier.

Konsumenten sind vorsichtig

Zahlen mit dem Handy kann sinnvoll sein, wenn man Berührungen vermeiden will. Das sehen offenbar etliche Kunden so: So stellt etwa Twint ganz klar fest, «dass durch die aktuelle Situation mit dem Corona-Notstand die Menschen deutlich häufiger Twint bei ihrem Detailhändler einsetzen». In den letzten zwei Tagen sehe man «eine Zunahme dieser Transaktionen um bis zu fast 50%». Das deute auf ein vorsichtiges Verhalten der Konsumenten bei Zahlungsvorgängen hin. «Bei Twint muss der Nutzer lediglich sein eigenes Handy anfassen und er muss weder eine Code an einem Zahlterminal eingeben noch ein elektronisches Terminal sonstwie berühren. Das kommt offenbar der Situation entgegen.»

Auf bei den Einkäufen im E-Commerce spürt Twint eine klare Zunahme. Auf der anderen Seite sei ein starken Rückgang bei Zahlungen für den öffentlichen Verkehr zum Beispiel auf der SBB-App und bei den sog. Peer to Peer Zahlungen (von einem Handy auf ein anderes) feststellbar, da die Leute nicht mehr gemeinsam ins Restaurant oder zu Freizeitaktivitäten gehen können. Diese Möglichkeit können jedoch derzeit hervorragend auch für die einfache und kontaktlose Bezahlung von Einkäufen durch Nachbarschaftshilfen genutzt werden, schreibt Medienbeauftragter Victor Schmid.

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