Kolumne

«Papa & Papi»: Hunde halten sich leider nicht an die Corona-Abstandsregeln

«Schweiz am Wochenende»-Kolumnist Michael Braunschweig (Bild: CH Media)

«Schweiz am Wochenende»-Kolumnist Michael Braunschweig (Bild: CH Media)

In seiner Kolumne «Papa & Papi» schreibt Ethiker Michael Braunschweig über das Elternsein mit seinem Mann und seinen Kindern. Diese Woche erklärt er, warum sein Töchterchen eine der Coronaregeln ganz besonders mag.

Dass Flug- und Zugreisen noch immer nur sehr begrenzt zu empfehlen sind, dürften viele gerade an diesem «Ausfahrtswochenende» bedauern. Auch wir verzichten nach wie vor auf unnötige Fahrten mit dem öffentlichen Verkehr und gleichzeitig wollen wir den zusätzlichen freien Tag nicht ungenutzt verstreichen lassen. So haben wir, sobald die Geschäfte wieder öffneten, in unsere privaten Verkehrsmittel investiert, und unseren ÖV-freien Mobilitätsradius ausgeweitet.

Selbstverständlich haben wir uns dabei die Klischees der urbanen Zürcher Mittelschicht zur Leitlinie genommen und nicht ein Auto, sondern lediglich einen kinderkompatiblen Fahrradanhänger zugelegt. Denn das sonnig-warme Frühsommerwetter der letzten Tage treibt uns nach draussen. Und mit den wärmeren Temperaturen verlangen auch unsere zwei kleinen Stubenhocker nun vermehrt, auf den Spielplatz oder in den Park zu gehen.

Dass wir damit nicht alleine sind, wird uns spätestens auf den Grünflächen klar: Wer in den letzten Monaten vergessen haben sollte, dass auch noch andere Menschen existieren, wird in den Parks der Stadt Zürich nun schlagartig daran erinnert. Distanzregeln einzuhalten, wird zunehmend schwerer. Regelmässig patrouilliert denn auch die Polizei, selbst in den abgelegensten Anlagen, was Söhnchen jeweils in helle Begeisterung versetzt, wenn er den Polizeiwagen erblickt, und für uns nach wie vor irritierend ist.

Töchterchen findet diese Nähe nicht immer lustig. Nicht die anderen Kinder sind das Problem. Da kennt sie keine Berührungsängste. Sondern Hunde. Mit ihren etwas über siebzig Zentimeter Körpergrösse wirken selbst Kleinrassen wie Pinscher oder Terrier bedrohlich.

So wie neulich: Da spielte Töchterchen vertieft am Brunnen, als ein kleines Hündchen, das offenbar auch das kühle Nass suchte, in ihr Blickfeld geriet. Schrill kreischte sich Töchterchen die Panik aus dem Hals, was das Hündchen in die Flucht schlug und die Hundebesitzer zu empörtem Kopfschütteln veranlasste. Was wiederum unsererseits auf wenig Verständnis stiess.

Ich selber bin mit Hunden aufgewachsen und habe keine Berührungsängste. Auch die Kinder mögen Hunde grundsätzlich, aber sie haben auch eine gehörige Portion Respekt. Zum Leidwesen von Töchterchen kennt Zürich in den Parks weder Leinenpflicht noch ein Hundeverbot, sondern erwartet gegenseitige Toleranz.

Wenn es um Hunde geht, würde Töchterchen sich bestimmt ein schärferes Distanzregime wünschen. So aber muss sie ihren Ängsten halt anderweitig Ausdruck verschaffen und sie verfügt offensichtlich über das dafür erforderliche Organ. Sehr viel charmanter kann Söhnchen zu verstehen geben, wenn mehr Distanz angezeigt ist. Dann stellt er sich jeweils vor einem auf und verkündet: «Du musch jetz gah, tschüüss!» Er winkt zur Verdeutlichung mit der Hand und stapft davon.

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