Die Hauptdarstellerin steppte im Film «La La Land» in einem schwingenden, mimosagelben Kleid und gab Gelb ein Gesicht. Das war 2016. Gut möglich, dass sie einfach Li Edelkoorts Prognose beherzigt hatte. Schon seit 2009 prophezeit die Trendforscherin hartnäckig, dass Gelb das neue Pink und uns mindestens die nächsten 15 bis 20 Jahre begleiten werde. Niemand hatte es ihr abgenommen.

Jetzt ist Gelb da – und stellt die neue Pantone-Farbe des Jahres 2019, ein sanftes Korallenrot, glatt in den Schatten. Und das, obwohl das Image der Farbe nicht eben grandios ist. Zu schwer verkäuflich, zu extrem. Und auch sonst wird ihr manch Negatives angehängt: gelbe Gefahr, Gelbsucht, gelbe Karte. Gelb steht für Gift, Neid, Verlogenheit und Verrat. Dabei hat die Farbe – nur gerade fünf Prozent der Menschen bezeichnen Gelb als ihre Lieblingsfarbe – noch eine ganze andere Seite: Gelb ist die hellste Farbe und steht für Wärme, Glück und Licht, für Reichtum, Macht, Fortschritt. In der Farbpsychologie repräsentiert Gelb Lebensfreude, Energie und Optimismus und soll Kreativität und Konzentration fördern.

Eine Frage der Dosierung

Schliesslich gibt es nichts Schöneres, als dem Gelb ins Gesicht zu blicken – besonders an einem grauen Wintertag. Wenn die Sonne die Wolken nicht zu durchbrechen vermag, dann helfen wir eben nach und holen uns eine Prise davon auf den Leib. Wie das geht, konnte man bereits auf den Laufstegen bei Lanvin, Bottega Veneta, Caroline Herrera, Rochas oder Marc Jacobs sehen – in allen Nuancen von warm bis kalt, knallig-zitronig, zartem Chamois, Vanillegelb, königlich goldig oder bräunlich wie Messing. Die Mode-Ketten ziehen allmählich nach, wenn auch noch zögerlich. Spätestens im Sommer werden wir allerdings nicht um Gelb herumkommen.

Noch immer herrscht bei vielen die Meinung, diese Farbe stehe ihnen nicht. Es ist nur eine Frage der Dosierung und der Farbnuance. Blassen, blonden Frauen mit hellem Teint ist geraten, zu zarten Tönen zu greifen. Braunhaarigen mit gebräunter Haut dürfen sich an kräftigere Töne wagen. Natürlich kommt die Farbe etwas schrill und aufdringlich daher, besonders wenn sie mit anderen Primärfarben kombiniert wird. Aber es muss ja nicht gerade vehement danach gegriffen werden. Man kann ganz sanft einsteigen und sich zum Beispiel eine Handtasche in Sonnenblumengelb anschaffen. Besonders zu Erdtönen, zu Grau oder Schwarz ist das ein schöner Eyecatcher.

Etwas mehr Mut und Selbstbewusstsein braucht es freilich für einen Komplettlook. Übrigens werden auch die Männer mit gelben Kollektionen bedacht. Ob Hermès, Louis Vuitton, Maison Margiela oder Kenzo – sie alle setzen heuer auf Gelb. Vielleicht fällt es ihnen leichter, sich mit der Farbe zu kleiden.

Wenn die Prognosen von Li Edelkoort stimmen, wird uns die Primärfarbe noch eine Weile beschäftigen. Nach all den Pastelltönen schreien wir geradezu nach Farbe. Influencer und Blogger fahren längst auf die Farbe ab – und beweisen, dass sie eben doch nicht so uncool ist.