Power-to-Gas

Start für eine Schlüsseltechnologie der Energiewende

Die Kehrichtverwertungsanlage der Limeco in Dietikon.

Die Kehrichtverwertungsanlage der Limeco in Dietikon.

Heute erfolgt in Dietikon der Spatenstich für eine der zukunftsträchtigsten Energieanlagen. Bei der Kehrichtverwertungsanlage wird die erste industrielle Power-to-Gas-Anlage erstellt.

Power-to-Gas könnte zu einer der Schlüsseltechnologien für den Energiewandel werden. In einer Power-to-Gas-Anlage wird aus erneuerbarem Strom mittels Elektrolyse Wasserstoff und in einem weiteren Bearbeitungsschritt unter der Zufuhr von CO2 das Gas Methan hergestellt.

Damit lässt sich ein Problem der erneuerbaren Energieproduktion anpacken. Denn die Sonne scheint im Sommer und am Mittag übermässig, dabei entsteht überschüssiger Strom. Diese Solarenergie fehlt aber im Winter und in der Nacht. Wird überschüssiger Strom mit einer Power-to-Gas-Anlage umgewandelt, lässt sich dieser somit im synthetischen Gas speichern und bei Bedarf einsetzen: Zum Heizen, als Methan in Gasautos oder als Wasserstoff in Brennstoffzellen-Fahrzeugen.

Eine solche Power-to-Gas- Anlage leitet Markus Friedl, Professor für Energietechnik an der Hochschule für Technik Rapperswil (HSR) – allerdings nur zu Forschungszwecken. Heute erfolgt in Dietikon der Spatenstich für die erste industrielle Power-to-Gas-Anlage der Schweiz. Während die Rapperswiler Anlage für das Testen und Entwickeln neuer Technologien genutzt wird, soll in Dietikon Methan erstellt werden, das ins Erdgasnetz eingespiesen wird. Die industrielle Anlage ist gemäss Markus Friedl denn auch 200-mal grösser als die Forschungsanlage.

Methan wird ins Erdgasnetz gespiesen

Die Anlage baut der Zürcher Energieversorger Limeco. In Dietikon wird bei der Kehrichtverbrennung erzeugter Strom zu Wasserstoff umgewandelt und mit Klärgas aus der Abwasserreinigungsanlage (ARA) gemischt, woraus Methan entsteht. Diese Kombination mit einem «Kraftwerk» wie eine ARA ist ideal. «Eine industrielle Anlage rechnet sich, wenn sie ein Megawatt oder mehr leistet und direkt bei einer erneuerbaren Energiequelle steht», sagt Friedl. Auch weil dann der Strom nicht über das öffentliche Netz fliessen muss, was zu zusätzlichen Kosten führt. Die Energie-Allianz Swisspower sieht ein Potenzial von hundert Power-to-Gas-Anlagen in der Schweiz, die bei ARAs aufgestellt werden können.

Eine Million Autos könnten mit überschüssigem Strom betrieben werden

Eine Studie vom Paul-Scherrer-Institut und der Empa zeigt, dass man in der Schweiz eine Million Gasautos aus Power-to-Gas-Anlagen betreiben könnte. Und weil die Wasserstoff-Nutzung im Verkehr ansteigen wird, könnte es nach Friedl eine spannende Ergänzung sein, wenn in Dietikon zu einem späteren Zeitpunkt auch ein Teil Wasserstoff ausgekoppelt würde. Jetzt wird nur Methan hergestellt. In Zukunft werden sich Batterie- und Wasserstoffautos und solche, die mit Methan aus Power-to-Gas Anlagen fahren, ergänzen.

Autor

Bruno Knellwolf

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