Immun

Studie besagt: Nach fünf Wochen gehen die Corona-Antikörper zurück

Über zwei Monate wurde im Zentrum für Labormedizin St.Gallen die Menge der Antikörper im Blut von Covid-19-Patienten mehrmals gemessen.

Über zwei Monate wurde im Zentrum für Labormedizin St.Gallen die Menge der Antikörper im Blut von Covid-19-Patienten mehrmals gemessen.

Eine lang angelegte Studie aus St.Gallen mit Covid-19-Patienten zeigt, dass ein Teil der Immunantwort weniger stabil ist als erwartet. Vielleicht sind die Antikörper aber gar nicht so wichtig.

Der Mechanismus ist bewährt: Impfstoffe bilden Antikörper, welche das Virus bekämpfen. Auf diese Weise soll auch mit den meisten der künftigen Impfstoffe die Krankheit Covid-19 bekämpft werden. Deshalb lässt eine Studie des Zentrums für Labormedizin (ZLM) in St.Gallen in Kooperation mit dem Gesundheitsdepartement des Kantons aufhorchen. In dieser wurden nicht nur einzelne Antikörpertests gemacht, sondern über zwei Monate die Menge der Antikörper gemessen.

Die Studie zeigt, dass zwar 95 Prozent der positiv auf Covid-19 getesteten Menschen Antikörper entwickeln. Doch deren Immunantwort, also die Bildung von Antikörpern, ist weit weniger robust als erwartet, wie der medizinische Studienleiter Wolfgang Korte erklärt. «Aus den Erfahrungen mit Sars im Jahr 2003 wäre zu erwarten gewesen, dass die Immunantwort deutlich länger anhalten würde. Frühere Daten zeigen Antikörper, die über acht Monate nachweisbar waren», sagt der Chefarzt und CEO des Zen­trums für Labormedizin.

Die im Mai begonnene Studie zeigt nun aber, dass sich bereits fünf Wochen nach der Labordiagnose die Menge der Antikörper im Blut verringerte. In der achten Woche war dieser Rückgang dann statistisch signifikant. «Die mittlere Antikörperkonzentration ist vom Peak in Woche 5 bis zur Woche 10 um 40 bis 45 Prozent gefallen», sagt Oliver Nolte, Leiter der Mikrobiologie am ZLM.

Besorgnis bei den Laborleitern

Das besorgt die Laborleiter, weil diese wenig belastbare Antikörper-Antwort die Entwicklung von Impfstoffen erschweren kann. Ob das auch für jene Impf-Wirkstoffe gilt, die nicht nur mit Antikörpern, sondern auch mit der Aktivierung von T-Zellen arbeiten, sei schwierig zu sagen. Weil die Antikörper-Antwort unter anderem auch von der T-Zellen-Antwort abhängig ist, könnten die Studienresultate auch für die Impfstoffe mit T-Zellen relevant sein.

Antikörper sind nämlich nicht die Einzigen, die bösartige Viren bekämpfen können. Unser Immunsystem wehrt gefährliche Erreger auch über T-Zellen ab. Diese sind ein Teil der zellulären Immunantwort. Das macht bei Covid-19 Hoffnung, weil T-Zellen ein langes Gedächtnis haben. Bei Sars-Infizierten waren sie noch Jahre nach der Ansteckung abwehrbereit. So könnte es sein, dass bei Covid-19 die Antikörper nicht lange halten, aber die T-Zellen im Ernstfall die Bildung von Antikörpern wieder anregen.

Zelluläre Immunantwort könnte wichtiger sein

Dieser zweite Ast des Immunsystems, also die zelluläre Immunantwort, könnte somit eine wichtigere Bedeutung haben als die eigentliche Antikörperantwort. Das zeigt auch eine weitere Erkenntnis der Studie, die zurzeit noch in der Begutachtung ist. Bei den untersuchten Männer wurden deutlich mehr Antikörper im Blut nachgewiesen als bei den Frauen. Das könnte mit der Beobachtung korrelieren, dass Männer mit einer Covid-19-Erkrankung im Mittel schwerer erkranken und eine höhere Todesrate haben. Es wäre möglich, dass höhere Mengen an Antikörpern durch eine verstärkte Entzündungsreaktion für den klinischen Verlauf kon­traproduktiv sein könnten. Der Frage der Wirkung der zellulären Immunantwort mit den T-Zellen soll nun weiter nachgegangen werden.

Autor

Bruno Knellwolf

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